Politik : Über Kunst wird gestritten

Schweden will bei Israel nach Eklat bei Ausstellung Protest einlegen

Helmut Steuer[Stockholm]

Zvi Mazel verlor jegliche diplomatische Zurückhaltung. Der israelische Botschafter in Schweden zog im Historischen Museum in Stockholm den Stecker einiger Scheinwerfer heraus, dann landet ein Strahler in dem mit blutrotem Wasser gefüllten Bassin. Empörung steht Mazel im Gesicht geschrieben. Auch als der Leiter des Museums, Kristian Berg, ihm sagt, dass er gerade ein Kunstwerk verunstaltet hat, lässt sich der Botschafter nicht beruhigen ist. Mazel wird schließlich des Museums verwiesen.

Das war am Freitagabend. Mittlerweile hat sich der Zwischenfall im Stockholmer Museum zu einem handfesten diplomatischen Streit zwischen Schweden und Israel entwickelt – zwei Länder, um deren Verhältnis es durch die jahrelange Stockholmer Unterstützung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat sowieso nicht zum Besten bestellt ist. Mazels Ärger galt einer Installation des gebürtigen Israelis Dror Feiler, der seit 1973 in Schweden lebt. Sein Werk besteht aus dem mit blutrotem Wasser gefüllten Becken. Dort schwimmt ein kleines Boot, dessen Segel das Porträt der lächelnden palästinensischen Selbstmordattentäterin Hanadi Dschadarat zeigt – jener 29-Jährigen, die im vergangenen Oktober sich und 22 Israelis in Haifa in die Luft sprengte. Das Werk trägt den Titel „Schneewittchen und der Irrsinn der Wahrheit“. Nach Aussagen des Künstlers und des Museumsdirektors soll die Installation eine „Einladung zum Nachdenken über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern“ sein.

Das Stockholmer Außenministerium bezeichnete die Tat des Botschafter als völlig „inakzeptabel“. Mazel soll den Protest Schwedens gegen sein Verhalten entgegennehmen. Israels Regierungschef Ariel Scharon lobte hingegen seinen Botschafter für dessen „Eingreifen gegen die wachsende Welle von Antisemitismus“. Die Teilnahme Israels an der kommende Woche in Stockholm beginnenden Konferenz über Völkermord, zu dessen Rahmenprogramm auch die Kunstausstellung zählt, ist nach dem diplomatischen Fauxpas mehr als unsicher.

0 Kommentare

Neuester Kommentar