Politik : Über Signale des Handys entdeckt Geisel der Attentäter von Boston berichtet

Boston - Der von den beiden mutmaßlichen Bombenattentätern von Boston als Geisel genommene Mann hat in einem Zeitungsinterview erstmals die bangen Momente geschildert: Der 26-Jährige erzählte dem „Boston Globe“, wie Tamerlan und Dschochar Zarnajew vor einer Woche sein Auto kaperten und mit dem Anschlag auf den Marathonlauf prahlten. „Ich habe das getan“, habe ihm Tamerlan zu der Attacke gesagt, bei der drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden waren. Der „Boston Globe“ identifizierte den Mann, einen Einwanderer aus China, nur mit dem Vornamen Danny.

Tamerlan Zarnajew klopfte den Angaben zufolge in der Nacht zum Freitag vergangener Woche an Dannys Mercedes- Geländewagen und bedrohte ihn mit einer Waffe. „Mach keine Dummheiten“, sagte der 26-jährige, der zu Danny ins Auto stieg. Dschochar sei zunächst in einem anderen Wagen hinterher gefahren. Tamerlan erzählte demnach auch, dass er gerade einen Polizisten auf dem Campus der Uni MIT erschossen habe. In einer dunklen Seitenstraße in den Bostoner Vororten hielten die beiden Autos dann an. Die Brüder schafften ihr Gepäck in Dannys Mercedes und fuhren mit ihrer Geisel in dem gekaperten Geländewagen weiter. Am Steuer habe nun Tamerlan gesessen.

An einer Tankstelle gelang Danny die Flucht. Als Dschochar an der Kasse zahlte und Tamerlan statt mit seiner Waffe mit dem Navigationssystem des Autos hantierte, sah er seine Chance.„Ich dachte, dass ich zwei Dinge machen muss: mich abschnallen und die Tür öffnen und so schnell ich kann rausspringen. Wenn ich es nicht schaffen würde, würde er mich sofort töten“, sagte Danny dem „Boston Globe“. Ohne zurückzublicken sei er zu einer benachbarten Tankstelle gerannt und habe von dort die Polizei alarmiert. Die Brüder flohen mit dem Mercedes, in dem noch immer das Handy von Danny lag. Über die Handysignale nahm die Polizei die Fährte der mutmaßlichen Attentäter auf. Bei der Verfolgungsjagd wurde Tamerlan getötet. Dschochar wurde Stunden später schwer verletzt gefasst. Am Freitag wurde er vom Krankenhaus in ein Gefängnis verlegt. Details zum gesundheitlichenZustand des 19-Jährigen wurden nicht genannt. AFP

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