Politik : „Überall wird zusammengestrichen“

Trotzdem steigen die Ausgaben für die Kinderhilfe deutlich

Christian Hönicke

Hin und wieder kann auch das Statistische Bundesamt überraschen. 20,2 Milliarden Euro gaben Bund, Länder und Gemeinden 2002 für Kinder- und Jugendhilfe aus, meldete die Behörde am Montag. Das sind fünf Prozent mehr als 2001. Viele Beteiligte reiben sich verwundert die Augen: Mehrausgaben? „Tendenziell nehmen die Leistungen doch eher ab. Viele Einrichtungen sind bedroht, überall wird zusammengestrichen“, sagt Sabine Walther, die Geschäftsführerin des Berliner Verbandes des Deutschen Kinderschutzbundes. Sie kann sich den Anstieg lediglich mit gestiegenen Lohn- und Einrichtungskosten erklären. Eine Ansicht, die der Argumentation des Statistischen Bundesamts recht nahe kommt: Alles wird teurer, heißt es. Im Familienministerium ist man dagegen gänzlich ahnungslos und verweist darauf, dass Länder und Kommunen zuständig seien.

Die Ausgaben für Kindertagesbetreuung, die mehr als die Hälfte (10,5 Milliarden Euro) der Kosten ausmachen, stiegen sogar um acht Prozent. Walthers Erklärungsansatz: „Ich glaube, manche Regionen kommen ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Bereitstellung von Kita-Plätzen ein wenig besser nach.“ Ausgerechnet eine Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 18. Dezember widerlegt das. Darin ist zu lesen, dass die Anzahl der Kita-Plätze stagniert.

Einzig die gestiegenen Kosten bei der Erziehungshilfe (4,6 Milliarden Euro, plus sieben Prozent) lassen sich einigermaßen plausibel begründen. Vier Fünftel dieser Ausgaben entfielen auf die Erziehung junger Menschen außerhalb der eigenen Familie etwa bei Pflegefamilien, Erziehung im Heim oder anderen betreuten Wohnformen. Walther führt den Anstieg auf die staatliche Verpflichtung für die stetig steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen zurück, denen es „richtig schlecht“ geht. „Da muss das Jugendamt dann gezwungenermaßen eingreifen, – und das ist teuer.“ Walther ist sich sicher, dass die Armut unter Kindern und Jugendlichen im kommenden Jahr weiter steigen wird: „Durch das neue Hartz-IV-Gesetz werden noch mehr in die Sozialhilfe abrutschen.“

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