Überfall am Nanga Parbat : Extremisten töten ausländische Bergsteiger in Pakistan

Zehn ausländische Touristen wurden in Pakistan am Berg Nanga Parbat von Taliban-Kämpfer getötet. Es ist der erste Angriff dieser Art in der Region.

Zehn ausländische Touristen wurden in Pakistan am Berg Nanga Parbat von Taliban-Kämpfer getötet. Es ist der erste Angriff dieser Art in der Region. Foto: dpa
Zehn ausländische Touristen wurden in Pakistan am Berg Nanga Parbat von Taliban-Kämpfer getötet. Es ist der erste Angriff dieser...Foto: dpa

Istanbul - Die ausländischen Bergsteiger hatten das Basislager am Nangar Parbat im Norden Pakistans erst am Samstagabend erreicht. Monatelang müssen sich die Männer auf den extrem schwierigen Aufstieg auf den neunthöchsten Berg vorbereitet haben, der schon viele Alpinisten das Leben kostete. Womit die Expeditionsteilnehmer nicht rechnen konnten: Nicht vom Berg ging tödliche Gefahr aus, sondern von den pakistanischen Taliban.

Kurz nach Mitternacht am Sonntag drangen Taliban-Kämpfer in das Basislager ein. Zur Tarnung trugen die Angreifer Uniformen der Grenztruppen. Möglicherweise schliefen die ahnungslosen Touristen, als sie in ihren Zelten ermordet wurden. Vier Ukrainer, drei Chinesen, ein Russe, ein Litauer und ein nepalesischer Sherpa starben, wie die Polizei mitteilte. Außerdem wurde ein pakistanischer Koch getötet. Einem chinesischen Bergsteiger gelang die Flucht.

Wenige Stunden später bekannte sich die Dachorganisation der pakistanischen Taliban (TTP) zu dem Massaker im Hochgebirge. „Die Touristen wurden von den Taliban getötet“, teilte TTP-Sprecher Ehsanullah Ehsan mit. Die bizarre Begründung: Mit dem Angriff nehme man Rache für einen Drohnenangriff der USA, bei dem TTP-Vize Wali ur Rehman Ende vergangenen Monats getötet wurde. „Wir haben damit eine Nachricht an die internationale Gemeinschaft gesandt, dass die USA mit den Drohnenangriffen aufhören muss.“ Die pakistanischen Taliban sind berüchtigt für ihre Brutalität, die die ihrer afghanischen Namensvettern häufig noch übertrifft.

Wahllos ausländische Bergsteiger als Vergeltung für US-Drohnenangriffe zu ermorden, folgt allerdings selbst nach den verschrobenen TTP-Maßstäben einer kaum mehr nachvollziehbaren Logik. Die Nachricht, die tatsächlich bei der Staatengemeinschaft ankommen dürfte, ist: Niemand in Pakistan ist mehr sicher vor den Extremisten - und zwar an jedem Ort.

Pakistan, wo in einigen Regionen spektakulär schöne Landschaften zu bestaunen sind, ist noch nie ein prominentes Urlaubsziel gewesen. Seit die Taliban das Land mit Terror überziehen, kommt fast niemand mehr. Das Auswärtige Amt hat eine „Teilreisewarnung“ erlassen, in der vor Reisen in bestimmte Gegenden des Landes gewarnt wird. Die Region Gilgit-Baltistan – in der die Taliban nun das Blutbad anrichteten – gehörte bislang nicht dazu. Dort kam es zwar zu Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten, aber nicht zu Angriffen auf Ausländer.

Das Massaker ist auch ein Schlag ins Gesicht des neuen Premierministers Nawaz Sharif, der sich im Wahlkampf für Verhandlungen mit den Taliban und gegen US-Drohnenangriffe ausgesprochen hatte. Sharifs Reaktion auf das Blutbad wirkte hilflos. „Wir unternehmen alles, um Pakistan für Touristen sicher zu machen“, erklärte der Premierminister am Sonntag – seine Regierung kann nicht einmal für die Sicherheit der eigenen Bevölkerung sorgen. Can Merey (dpa)

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