Überfall in Paris : Skinheads töten Studenten

Die Attacke auf einen jungen Linksaktivisten in einem belebten Geschäftsviertel der Hauptstadt löst in Frankreich Entsetzen aus.

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Polizisten auf Motorrädern
Tatort Paris. Polizisten sichern den Ort des Skinhead-Angriffs.Foto: AFP

Der gewalttätige Überfall von Skinheads auf einen jungen Linksaktivisten in Paris hat den Ruf nach einem Verbot rechtsradikaler Gruppen in Frankreich lauter werden lassen. Der 19-jährige Student Clément Méric war am späten Mittwochnachmittag in einem belebten Geschäftsviertel der französischen Hauptstadt von drei jungen Leuten, unter ihnen eine Frau, brutal angegriffen und zusammengeschlagen worden. Im Krankenhaus konnte nur noch sein Hirntod festgestellt werden.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen Stipendiaten an der renommierten Hochschule „Sciences Po“. Clément Méric war Mitglied des Verbandes „Studentische Solidarität“ und engagierte sich in einer Organisation namens „Antifaschistische Aktion“. Nach den flüchtigen Tätern, die nach Zeugenaussagen kahl geschoren und im Nacken tätowiert waren, suchte die Polizei im Milieu der ultrarechten „Nationalistischen Revolutionären Jugend“. Drei verdächtige Männer und eine Frau wurden am Donnerstag vorläufig festgenommen.

Die Angreifer hatten Méric aufgelauert, nachdem es in einem Geschäft zu einem Wortwechsel mit politischen Beschimpfungen zwischen dem Studenten, dessen Freunden und den Skinheads gekommen war. Von einem Schlag, der Méric von einem Skin mit einem Faustring versetzt wurde, stürzte er schwer verletzt gegen einen Poller.

Frankreich ist entsetzt. Präsident François Hollande kündigte „größte Entschlossenheit“ bei der Verfolgung der Täter an. Innenminister Manuel Valls sagte, eine Gruppe der extremen Rechten stehe im Zentrum dieses Verbrechens. Es müsse alles getan werden, um die Verharmlosung des Hasses in der im Internet geführten öffentlichen Debatte „auszurotten“. Valls spielte damit auf das in jüngster Zeit von rechtsradikalen Gruppen geschürte Klima an, das bei den Demonstrationen gegen die Homo-Ehe zu gewalttätigen Ausschreitungen geführt hatte. Von Politikern der Linken war danach die Forderung nach einem Verbot der rechtsradikalen Gruppen erhoben worden. Die Präsidentin der rechtsextremen Nationalen Front, Marine Le Pen, sagte, ihre Partei habe nichts mit dem Überfall zu tun.

Überfälle von Rechtsradikalen auf politische Gegner und Ausländer sind in Frankreich keine Seltenheit. Da sie sich aber bisher nicht in Paris, sondern in Städten der Provinz wie Bordeaux, Grenoble, Besançon oder Toulouse ereigneten, wurden sie in der Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen. Nach einer Übersicht der Zeitung „Le Monde“ wurden in den vergangenen drei Jahren etwa 40 Überfälle von Rechtsradikalen registriert. Allein in Lyon war es im April und Mai zu mehreren gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, an denen unter anderem die rechtsextreme Studentengruppe GUD beteiligt war.

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