Überfall von Halberstadt : Dienstgruppenleiter soll Schuld sein

Das unangemessene Verhalten von Polizeibeamten nach einem Angriff von Rechten auf eine Theatergruppe in Halberstadt ist einem Polizeibericht zufolge dem Dienstgruppenleiter zuzuschreiben.

Halberstadt
Hochburg der Rechten? Halberstadt mit Blick auf das rekonstruierte Rathaus. -Foto: Heinrich

HalberstadtDer Abschlussbericht der Polizei zum Überfall von Rechtsextremen auf eine Theatergruppe in Halberstadt sieht die Hauptschuld für Fehler der eingesetzten Polizisten beim mittlerweile versetzten Dienstgruppenleiter. Hinweise auf den Straftatbestand der Strafvereitelung im Amt hätten sich gegen die Beamten dagegen nicht ergeben, teilte der Sprecher der Polizeidirektion Halberstadt mit.

Die Beamten hätten erheblich unter Stress gestanden und seien mit der Bewältigung der Lage überfordert gewesen, heißt es in dem Bericht. Diese Überforderung sei auch der Tatsache geschuldet gewesen, dass eine fachlich kompetente Führung vor Ort fehlte. Deshalb sei es auch nicht zu einer qualifizierten Tatortarbeit gekommen.

Polizei ließ Hauptverdächtigen wieder laufen

Rechtsextreme hatten die Mitglieder des Theaterensembles am 9. Juni angegriffen und dabei fünf Schauspieler verletzt. Die Polizei hatte am Tatort den 22-jährigen Hauptverdächtigen wieder laufen gelassen. Außerdem machten sich die Beamten nicht auf die Suche nach weiteren Tätern, obwohl diese nach Aussagen der Ensemblemitglieder noch in der Nähe gesehen worden waren.

Nachdem die Polizei abgerückt war, war ein Teil der Rechtsextremen sogar noch einmal kurz zum Tatort zurückgekehrt. Bis die Polizisten dann wieder auf einen erneuten Notruf hin zurückgehrt waren, waren die Männer bereits wieder flüchtig. Vier Verdächtige konnten mittlerweile festgenommen werden. Gegen sie wurde bereits Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben. (mit AFP)

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