Übergewichtige Soldaten : Viel Mampf, kein Kampf

Die Bundeswehr hat zunehmend Probleme mit der Leibesfülle ihrer Soldaten. Sie essen zu viel und falsch, bewegen sich zu wenig, rauchen zu viel und sind zu träge. Auch Militärärzte beobachten diesen "Negativ-Trend" schon seit geraumer Zeit.

Friedrich Kuhn[ddp]

BerlinDer Leiter des Sportmedizinischen Institutes der Bundeswehr in Warendorf, Oberstarzt Johannes Hutsteiner, stellt fest, dass die Streitkräfte durchweg nicht nur bei den Rekruten, sondern auch bei vielen Zeit- und Berufssoldaten mit zu viel Pfunden und Speck auf den Körperpartien zu kämpfen haben. Allerdings gibt es keine genauen Zahlen, wieviel zu dicke Soldaten in den Flecktarnanzügen stecken. Es gibt zwar in der Bundeswehr keinen Befehl zum Abnehmen und zur "richtigen Nahrungsaufnahme". Aber Hutsteiner macht auf den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Leistungsfähigkeit aufmerksam.

"Es ist ganz klar unkameradschaftlich, wenn ein Übergewichtiger Teile seiner Aufgaben von anderen mitmachen lässt, weil er es nicht schaffen kann" unterstreicht Hutsteiner. Es verstoße auch gegen die Pflichten eines Vorgesetzten, wenn er als Übergewichtiger kein gutes Vorbild abgibt. Das sei mit den Pflichten zur Fürsorge und Kameradschaft nicht vereinbar. Hutsteiner betont, es liege nicht an den Möglichkeiten der Ernährung in der Bundeswehr, dass die Soldaten so "dicklich" geworden sind. In allen Truppenküchen gebe es inzwischen auch eine spezielle Fitnesskost. Das Problem würden die "Fastfood-Angebote" in den Kantinen darstellen, die zusätzlich mit Süßigkeiten und schnellem "Nebenbeiessen" zur Ergänzung der Verpflegung genutzt würden. Die Sportmediziner helfen in Warendorf mit Kursen übergewichtigen Soldaten ihre Ernährung umzustellen und mit harter Arbeit an ihrer Fitness wieder "auf den Damm zu kommen".

Auslandseinsätze gefährdet

Gerade bei den zunehmenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr gewinnt die körperliche Leistungsfähigkeit der Soldaten eine große Bedeutung. Oberstarzt Dieter Leyk vom Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz warnte schon vor einiger Zeit vor den Auswirkungen der Leistungsschwäche der Soldaten auf die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Bei einem Test von 50.000 Bewerbern für den Dienst unter der Fahne der Bundeswehr stellte Leyk "dramatische Entwicklungen" fest. Bei der Rekrutierung des Nachwuchses für den Militärdienst komme auf die Bundeswehr eine ungeheure Aufgabe zu, wenn man in Zukunft weiter den internationalen Verpflichtungen bei den Auslandseinsätzen im ganzen Umfang nachkommen wolle.

Der frühere Heeresinspekteur Helmut Willmann hatte schon in den neunziger Jahren der sinkenden körperlichen Leistungsfähigkeit der Soldaten Rechnung getragen. Der General führte für die Heerestruppe ein "Allgemeines militärisches Ausdauertraining" ein: Für alle Dienstgrade dreimal in der Woche 3000 bis 5000 Meter laufen, zweimal im Jahr bis zu 30 Kilometer marschieren. Das könne unter den neuen Belastungen für die Truppe heutzutage nicht mehr in einem solchen Ausmaß verwirklicht werden, erklärten Offiziere.

Schlacht gegen die Fettleibigkeit

Die Bundeswehr steht mit ihren "Problemen der Übergewichtigen" nicht allein dar. Besonders die amerikanische Armee führt eine "Schlacht gegen die Fettleibigkeit". Die Army muss jedoch wegen der sinkenden Attraktivität des Soldatenberufs im Zusammenhang mit den kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak und in Afghanistan immer mehr Dicke einstellen. Die US-Streitkräfte beklagen deswegen eine "starke Reduzierung" ihrer Leistungsfähigkeit.

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