Politik : Überholt

Barack Obama gewinnt auch in Maine – und Hillary Clinton sucht wieder eine neue Strategie

Christoph von Marschall

Unter dem Eindruck mehrerer Vorwahlniederlagen hat Hillary Clinton ihre Wahlkampfmanagerin Patti Solis Doyle entlassen. Doyle ist eine langjährige Freundin und Vertraute der Clintons. Ihren Posten übernahm eine andere erprobte politische Weggefährtin, Maggie Williams. Doyle war schon zu Jahresbeginn wegen der Wahlkampfstrategie unter starken Druck geraten, nachdem Hillary die erste Vorwahl in Iowa verloren hatte. Ihr wurde vorgeworfen, es sei ein Fehler gewesen, Clinton als klare Favoritin und fast unvermeidliche Kandidatin zu positionieren. Das erst habe ihrem schärfsten Konkurrenten Barack Obama den psychologischen Vorteil eines Außenseiters und Überraschungssiegers gegeben. Doch dann gewann Clinton die zweite Vorwahl in New Hampshire, und Doyle war vorerst rehabilitiert.

Bei allen Vorwahlen am vergangenen Wochenende siegte jedoch Obama: am Sonnabend in Louisiana, Nebraska, Washington State und den Virgin Islands, am Sonntag auch in Maine. Der Neuenglandstaat galt zuvor als Clintons Territorium. Obama gewann zudem nicht knapp, sondern im Verhältnis 60 zu 40 Prozent in Maine und zuvor in Louisiana, in Nebraska und Washington State sogar zwei Drittel zu einem Drittel.

Der Wechsel an der Kampagnenspitze wird deshalb von den US-Medien als Zeichen wachsender Nervosität im Clinton- Lager wahrgenommen – als Versuch, die Stimmung zu drehen. Seit dem Super Tuesday läuft sie Gefahr, ihre Favoritenrolle an Obama zu verlieren. An diesem Megawahltag hatten die Bürger in 22 Staaten darüber abgestimmt, wer als offizieller Kandidat der Demokraten in der Hauptwahl am 4. November antreten soll. Clinton konnte trotz ihrer Favoritenrolle keinen deutlichen Vorsprung erzielen.

Sie gewann zwar die großen und gewichtigen Staaten Kalifornien, New York und New Jersey. Obama siegte aber in deutlich mehr Staaten als sie, nämlich 14, und verteilt über das ganze Land. Umgerechnet in Delegiertenstimmen, die auf dem Nominierungsparteitag die entscheidende Größe sind, lag sie zwar vor ihm, aber „in erreichbarer Nähe“, wie die großen Zeitungen kommentierten: Er kann sie leicht einholen und überholen.

Genau das ist nun eingetreten, nach seinen fünf Siegen vom Wochenende. Obama liegt laut der unabhängigen Website RealClearPolitics mit 1137 Delegierten drei Stimmen vor Clinton. Und ihre Aussichten für die heute anstehenden Vorwahlen in Maryland, Virginia und der Hauptstadt Washington DC sind auch nicht gut. Die Öffentlichkeit debattiert zudem zwei weitere Nachteile Clintons. Sie hat für die verbleibenden Vorwahlen weniger Geld als er – und das direkte Duell gegen John McCain, der die republikanische Kandidatur so gut wie sicher hat, kann den Umfragen nach nur Obama gewinnen. Clinton würde gegen ihn verlieren. Auch das lässt Wähler nachdenken, wen sie ins Rennen schicken sollen. Sein Vorteil im „money race“, dem Wettbewerb um die Wahlkampfspenden, war zwar für Experten keine Überraschung. Schon 2007 hatte er sie dabei in den meisten Vergleichszeiträumen geschlagen. Aber seine finanzielle Überlegenheit dringt vielen jetzt erst ins Bewusstsein, nachdem Clinton bekannt gab, dass sie sich fünf Millionen Dollar aus dem Privatvermögen für ihre Kampagne geliehen hat. Darunter leidet ihre Aura als Siegerin. Obama hat jetzt die Dynamik auf seiner Seite.

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