Politik : Überlebende in Not

Nach dem Beben läuft die Hilfe nur zögernd an

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Zwei Tage nach dem Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra ist eine große Hilfsaktion für die am schlimmsten betroffenen Gebiete angelaufen. Das indonesische Militär, die UN und viele Hilfsorganisationen versuchen, Überlebende auf den Inseln Nias und Simeulue zu versorgen. Nach jüngsten Meldungen sollen auch die Banyak-Inseln getroffen worden sein. Die kleine Inselgruppe liegt zwischen Nias und Simeulue und war dem Epizentrum des Bebens am nächsten. Indonesische Beamte sprachen von 100 bis 300 Toten auf den Banyak-Inseln.

Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf bis zu 2000 geschätzt. Masood Hyder, der stellvertretende Koordinator der UN-Hilfe, sagte, dass bislang 518 Todesopfer bestätigt seien, 500 davon auf der Insel Nias. Die Zahl werde steigen. Überlebende suchen in Trümmern weiter nach Vermissten. Dabei werden auch Überlebende geborgen.

In den neuen Krisengebieten vor der Küste Sumatras sind Zehntausende obdachlos, viele von ihnen schlafen in Moscheen oder Schulen. Mit Abstand am schlimmsten scheint die Lage auf Nias zu sein, wo Menschen mit offenen Wunden auf der Suche nach Hilfe umherirren sollen. Das Krankenhaus von Gunungsitoli, der größten Stadt der Insel, wurde vom Beben schwer beschädigt. Als am Haus des Distriktchefs eine Hilfslieferung eintraf, versuchten Hunderte, das Gebäude zu stürmen. Am Mittwochmorgen konnte die Insel wegen starken Regens zunächst nicht angeflogen werden. Was ankommt – Essen, Wasser, Zelte, Medikamente – kann zudem nur langsam weitertransportiert werden. Zahlreiche Straßen sind kaputt. „Gut voran kommt nur, wer sich auf ein Moped setzt“, berichtete ein BBC-Reporter. Überall fehlt schweres Gerät, um Trümmer zu beseitigen.

Auf der Insel Simeulue gibt es ähnliche Probleme. Der Distriktchef gab an, dass allein in der Stadt Sinabang 50000 Menschen im Freien schliefen und versorgt werden müssten. Ursprünglich war von mehr als 100 Toten auf Simeulue die Rede, nun sprechen die UN jedoch von neun Opfern und 47 Verletzten.

Mehrere Transportschiffe der indonesischen Marine sind unterwegs nach Sumatra. Außer Hilfsgütern haben sie Werkzeug, Bagger und LKW an Bord. Obwohl noch keine offizielle Erklärung der Regierung bekannt ist, scheint Indonesien jetzt auch wieder ausländische Militärhilfe anzunehmen. Soldaten aus Singapur sind bereits mit Helikoptern auf Nias gelandet, zwei australische Transportflugzeuge, ein Marineschiff und auch zwei US-Marineschiffe werden in Sumatra erwartet. Das jüngste Beben kam zwei Tage nach dem Abzug der letzten ausländischen Soldaten aus Indonesien. Davor hatten Militärs aus 30 Staaten Nothilfe für Tsunamiopfer in Aceh geleistet.

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