Politik : Überraschende Fortschritte bei Geheimgesprächen: erstmals Korea-Gipfel vereinbart

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Die Einigung zwischen Nord- und Südkorea auf ein Treffen ihrer Staatschef kam nach wochenlangen Geheimverhandlungen in Peking und Schanghai. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung werde im Juni zu einem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il nach Pjöngjang reisen, erklärten die Regierungen beider Länder am Montag in Pjöngjang und Seoul übereinstimmend. Das geplante Treffen vom 12. bis zum 14. Juni in Pjöngjang, das von Beobachtern als ein "historischer Durchbruch" gewertet wurde, wäre die erste derartige Begegnung zwischen beiden koreanischen Staaten seit der Teilung der Halbinsel 1945. Die USA, Russland und Japan begrüßten die Einigung.

Bei dem Gipfel werde es neben humanitären Fragen um "die innerkoreanische Zusammenarbeit und die Zukunft des koreanischen Volkes" gehen, sagte Südkoreas Vereinigungsminister Park Jae Kyu. Die nordkoreanische Führung betonte, dass das Treffen "auf Wunsch von Präsident Kim Dae Jung" stattfinde. Bei dem Spitzentreffen solle über Koreas "nationale Versöhnung und Einheit, über Austausch und Zusammenarbeit, Frieden und Wiedervereinigung" geredet werden, hieß es in einer Mitteilung der nordkoreanischen Agentur KCNA.

Die Einigung sei nach den Geheimverhandlungen in China am Samstag erfolgt, hieß es aus Seoul am Montag weiter. Nach Angaben beider Seiten soll möglichst noch im April ein offizielles Vorbereitungstreffen mit Unterhändlern stattfinden, bei dem konkrete Gesprächpunkte besprochen werden. Grundsätzlich gebe es von beiden Seiten keine politischen Vorbedingungen für den Gipfel, teilte das südkoreanische Vereinigungsministerium mit. 1991 hatte Nordkoreas Premier Yon Hyong Muk die südkoreanische Hauptstadt Seoul besucht. Ein 1994 geplantes Treffen der Präsidenten beider Staaten fand wegen des Todes des langjährigen nordkoreanischen Staatschefs Kim Il Sung nicht statt.

Die Nachricht von dem Gipfeltreffen kam nur drei Tage vor den südkoreanischen Parlamentswahlen am Donnerstag. Umfragen zufolge dürften sich Kim Dae Jungs Demokratische Milleniumspartei (DMP) und die oppositionelle Große Nationalpartei (GNP) ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Beobachter werten den geplanten Gipfel als einen Erfolg von Kims "Sonnenscheinpolitik", mit der er seit 1998 eine Annäherung an den kommunistischen Norden sucht. Oppositionsvertreter nannten die überraschende Ankündigung des Spitzentreffens dagegen einen "schamlosen Wahlkampftrick".

Südkoreas Präsident äußerte sich am Montag vorerst überrascht von der Einigung. Er sei angesichts des Tempos der innerkoreanischen Beziehungen erstaunt, sagte ein Sprecher Kim Dae Jungs. Seit seinem Amtsantritt 1998 setzt Staatspräsident Kim Dae Jung (75) mit Unterstützung vor allem der USA auf die Wiederaufnahme des innerkoreanischen Dialogs. Er will eine Aussöhnung mit dem kommunistischen Norden sowie die Zusammenführung von getrennt lebenden Familien aus beiden Koreas. Seoul interessierte sich in den letzten Jahren stark für die Bewältigung der Wiedervereinigungsprobleme in Deutschland.

Japan begrüßte die Einigung als ein Ereignis von "Epoche machender Bedeutung". Der japanische Außenminister Yohei Kono sagte, Japan unterstütze den Gipfel völlig. Das Treffen könne epochale Bedeutung haben. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhu Bangzao, sagte laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, er hoffe auf positive Ergebnisse des Treffens. Die Regierung von Taiwan äußerste sich zunächst nicht zu der Entwicklung. Die amtliche Nachrichtenagentur CNA berichtete aber, der Gipfel könne als Modell für Verhandlungen Taipehs mit Peking dienen. Russland erwartet nach den Worten des Leiters der Ersten Asien-Abteilung im Außenmisterium in Moskau, Leonid Moissejew, von dem geplanten Gipfel "wahrhaft historische Durchbrüche".

Beide koreanische Staaten befinden sich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950 bis 53) technisch gesehen immer noch im Kriegszustand. Seit 1953 herrscht ein Waffenstillstand. Bemühungen um einen Friedensvertrag schlugen bisher fehl. An der Grenze am 38. Breitengrad, wo es in der Vergangenheit wiederholt zu Zwischenfällen kam, stehen sich mehr als eine Million Soldaten aus Süd- und Nordkorea gegenüber.

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