Übertritt : Linke EU-Abgeordnete wechselt zur SPD

Die EU-Parlamentarierin Sylvia-Yvonne Kaufmann ist jetzt Sozialdemokratin. Von ihrer Partei, einem "Haufen von Sektierern", fühlte sie sich nicht mehr unterstützt.

BerlinEine EU-Abgeordnete der Linken, Sylvia-Yvonne Kaufmann, ist zur SPD übergetreten. SPD-Parteichef Franz Müntefering und der sozialdemokratische EU-Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz, haben zusammen mit Kaufmann überraschend für Donnerstagnachmittag zu einer Pressekonferenz in Berlin eingeladen, auf der sie den Wechsel öffentlich erklären wollen.

Die frühere PDS-Vize-Chefin und ehemalige Vizepräsidentin des EU-Parlaments hatte sich unter anderem offensiv für den EU-Vertrag von Lissabon stark gemacht. Darüber kam es zum Zerwürfnis mit der Linken. Bei der Aufstellung der Linken-Kandidaten für die Europawahl wurde sie daraufhin nicht mehr nominiert. Laut "Bild.de" begründete die 54 Jahre alte Kaufmann ihren Austritt mit der Aussage, dass die Linkspartei "zu einem Haufen von Sektierern verkommen" sei.

Die Linkspartei bedauert den Austritt Kaufmanns aus der Partei und ihren Wechsel zur SPD. "Ich bedauere das natürlich", sagte der Bundesgeschäftsführer der Partei, Dietmar Bartsch, dem Tagesspiegel. Bartsch erinnerte daran, dass er gemeinsam mit Kaufmann "viele Jahre mit ihr um die Erneuerung der Partei gekämpft" habe. Allerdings sei ihr Parteiwechsel nur eingeschränkt glaubwürdig, weil sie sich erst nach ihrer Abstimmungsniederlage auf dem Europaparteitag zum Wechsel in die SPD entschlossen habe. Kaufmann war Anfang März in Essen nicht erneut als Kandidatin für das Europaparlament nominiert worden. Reservierter zu Kaufmanns Entscheidung äußerte sich die Sprecherin der linken Europaabgeordneten, die frühere PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer. Sie sagte dem Tagesspiegel: "Dieser Schritt hat sich seit längerem angekündigt. Sylvia-Yvonne Kaufmann hat ganz eindeutig eine Trennlinie gezogen."

SPD umwirbt auch Brie

Die SPD versucht nach Informationen des Tagesspiegel, auch André Brie, Noch-Europaabgeordneten der Linkspartei, zum Parteiwechsel zu bewegen. Der Spitzenkandidat der SPD für die Wahlen zum Europaparlament, Martin Schulz, bestätigte, dass er sich kürzlich mit Brie getroffen habe. "Er schwankt noch", sagte Schulz dem Tagesspiegel. Brie sagte auf Anfrage, gemeinsam mit anderen suche er "nach Möglichkeiten, die Blockade zwischen SPD und Linken zu lockern". Einen Parteiwechsel aber halte er für falsch. Brie bedauerte auch den Übertritt Kaufmanns: "Wir hätten sie sehr gebraucht." Sowohl Kaufmann wie Brie waren auf dem Europaparteitag der Linken Anfang März in Essen nicht wieder nominiert worden. (Tsp/sba/dpa)

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