Politik : Überzeugt und aufrecht: Zum Tod Hermann Kreutzers

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Berlin - Er war ein ebenso unbeugsamer wie unbequemer Zeitgenosse. Als aufrechter Gegner des Totalitarismus saß Hermann Kreutzer in Gefängnissen der Nazis – zum ersten Mal mit 17 Jahren – und in denen des SED-Staates.

1924 geboren, gehört Kreutzer 1945 zu den Mitbegründern der SPD in Thüringen. Geprägt von den sozialdemokratischen Überzeugungen seines Vaters, widersetzt er sich 1946 vehement den Einheitsfrontbestrebungen in der Sowjetischen Besatzungszone. Auf einem Jugendseminar in Camburg legt er sich mit Erich Honecker an, der dort für die Vereinigung von KPD und SPD wirbt. Kreutzer versucht gemeinsam mit seinem Vater drei Jahre lang, die SPD in Thüringen illegal am Leben zu erhalten. Sie halten Kontakt zum Ostbüro in Berlin. Wegen „konterrevolutionärer Umtriebe“ werden Hermann Kreutzer, seine spätere Frau und sein Vater von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Haft verurteilt. Siebeneinhalb Jahre davon sitzt Kreutzer in Bautzen und Brandenburg ab.

Als er 1956 auf Druck des Westens freikommt, geht er nach West-Berlin, engagiert sich in der SPD, wird Sozialstadtrat in Tempelhof. 1967 tritt er als Ministerialdirektor in das Gesamtdeutsche Ministerium ein. Er ist für Freikäufe von Gefangenen aus DDR-Haft zuständig. Später geht er wieder nach Berlin, ist zeitweise Vertreter von Egon Bahr als Berlin-Bevollmächtigter der Bundesregierung. Doch die neue Ostpolitik Willi Brandts bedrückt Kreutzer heftig. Für ihn, den eingeschworenen Gegner des SED-Regimes, bedeutet sie Verrat. 1980 kritisiert er einen Vorgesetzten öffentlich, wird in den Ruhestand versetzt, verlässt die SPD.

Auf vielen Veranstaltungen sprach Kreutzer seither über die beiden Gegenbilder der Demokratie – das nazistische und das kommunistische – und die Lehren daraus. In einem Freundeskreis aus gleichgesinnten ehemaligen Häftlingen fand er Rückhalt. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Hermann Kreutzer 82-jährig am 28. März 2007 gestorben. sc

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