Politik : Überzeugt – und aufrecht

Ein verstoßener Sozialdemokrat: Zum Tod von Hermann Kreutzer

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Berlin - Er war ein ebenso unbeugsamer wie unbequemer Zeitgenosse. Als Gegner des Totalitarismus saß Hermann Kreutzer in Gefängnissen der Nazis und in denen des SED-Staates.

1924 geboren, gehört Kreutzer 1945 zu den Mitbegründern der SPD in Thüringen. Geprägt von den sozialdemokratischen Überzeugungen seines Vaters, widersetzt er sich 1946 vehement den Einheitsfrontbestrebungen. Auf einem Jugendseminar in Camburg legt er sich mit Erich Honecker an, der dort für die Vereinigung wirbt. Kreutzer versucht, die SPD in Thüringen illegal am Leben zu erhalten. Wegen „konterrevolutionärer Tätigkeiten“ wird er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Siebeneinhalb Jahre davon sitzt er in Bautzen und Brandenburg ab.

Als er 1956 auf Druck des Westens freikommt, geht er nach West-Berlin, engagiert sich in der SPD, wird Sozialstadtrat in Tempelhof. 1967 tritt er als Ministerialdirektor in das Gesamtdeutsche Ministerium ein. Er ist für Freikäufe von Gefangenen aus DDR-Haft zuständig. Doch die neue Ostpolitik Willi Brandts bedrückt Kreutzer heftig. Für ihn, den eingeschworenen Gegner des SED-Regimes, bedeutet sie Verrat. 1980 kritisiert er einen Vorgesetzten öffentlich und wird aus der SPD ausgeschlossen.

Auf vielen Veranstaltungen sprach Kreutzer seither über die beiden Gegenbilder der Demokratie – das nazistische und das kommunistische – und die Lehren daraus. In einem Freundeskreis aus gleichgesinnten ehemaligen Häftlingen fand er Rückhalt. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Hermann Kreutzer 82-jährig am 28. März 2007 gestorben. sc

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