Ukip in Großbritannien : Bürgerkrieg bei EU-Gegnern

Führende Parteimitglieder der britischen Anti-Europa-Partei Ukip fordern nach der Wahl den Rücktritt ihres Chef Nigel Farage. Sie werfen ihm einen falschen Führungsstil vor.

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Ukip-Chef Nigel Farage.
Ukip-Chef Nigel Farage.Foto: doa

Großbritanniens EU-Referendum rückt immer näher – und die Anti-Europa-Partei Ukip beginnt sich zu zerfleischen. Führende Parteimitglieder fordern den Rückzug des Vorsitzenden Nigel Farage. Zunächst verglich Paddy O’Flynn, Ukips Wirtschaftssprecher und Kommunikationschef, die Partei mit einer „absolutistischen Monarchie“ und forderte einen anderen Führungsstil. Farage sei „mürrisch, dünnhäutig, aggressiv“ und von falschen Leuten umgeben. Später betonte O’Flynn, er wolle keinen „Putsch“. Es sei nicht Farages Schuld, dass Ukip ein „Persönlichkeitskult“ werde. Doch dann legte mit Stuart Wheeler der wichtigste Geldgeber nach und mahnte eine offene Führungswahl ab. Farage sei „zu aggressiv“, spalte die Öffentlichkeit und sei nach zwei Jahrzehnten an der Spitze der Partei „erschöpft“.

Ukip gewann bei der Unterhauswahl 13 Prozent der Wählerstimmen, aber nur einen Unterhaussitz – den des Tory-Überläufers Douglas Carswell. Farage wurde nach seiner eigenen Niederlage im Wahlkreis South Thanet in einige Kontroversen verstrickt, als er zunächst wie angekündigt den Parteivorsitz niederlegte. Sein Rücktritt wurde dann aber vom Vorstand „abgelehnt“.

Auch das Agieren des Überläufers Carswell ist umstritten. Und es macht deutlich, wie groß die Distanz zwischen ihm und der Partei ist. Er lehnte es zum Beispiel ab, 3,5 Millionen Pfund an Fördergeldern zu akzeptieren, die Ukip wegen seiner großen Wählerschaft für die Parlamentsarbeit zustehen. Carswell will in seinem Büro nicht 15, sondern nur fünf Mitarbeiter einstellen, da das Geld für Parlamentsarbeit, nicht aber für die Parteiarbeit gedacht sei. Nach einigen Berichten könnte Carswell zudem sein Mandat ohne Parteizugehörigkeit ausüben. Ukip, der wohl eine Führungsrolle bei der EU-Austrittskampagne zukommen würde, wäre im Unterhaus dann nicht vertreten.


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