Ukraine : Angst vor dem EM-Boykott

30.04.2012 00:00 Uhrvon
Demo für Julia Timoschenko vor dem Gerichtsgebäude in Charkiw. Foto: dapd
Demo für Julia Timoschenko vor dem Gerichtsgebäude in Charkiw. - Foto: dapd

Der Fall Timoschenko und die Anschläge in Dnjepropetrowsk belasten wenige Wochen vor der Fußball-EM in der Ukraine das Ansehen des Landes. Wie geht die Ukraine mit dieser Situation um?

„Kommt Merkel nicht zur EM, wenn Timoschenko nicht freigelassen wird?“, fragte am Sonntag besorgt die unabhängige Internetzeitung „Ukrainskaja Prawda“. Zwei Tage nach den geheimnisvollen Bombenanschlägen in Dnjepropetrowsk und einen Tag nach der Aufnahme eines zweiten Strafprozesses gegen die bereits inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko vermeldeten ukrainische Onlinedienste den ganzen Sonntag über aufgeregt immer neue Boykottdrohungen für die Fußball-Europameisterschaft.

Auch Italien würde sich nun wohl dem deutschen Boykott anschließen, schrieb die „Ukrainskaja Prawda“. Nachdem der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck einen Termin auf der Krim abgesagt hatte, sorgt man sich in dem Land, dass das einen Dominoeffekt auslösen könnte.

Die Sorge um Timoschenko in Bildern:

Umso angestrengter arbeiten die ukrainischen Sicherheitskräfte, um die Hintergründe der vier Bombenexplosionen aufzuklären. „Wir verstehen sehr wohl, dass wir die Verbrecher in kürzester Zeit finden müssen“, sagte Staatspräsident Viktor Janukowitsch am Samstag bei einem Besuch von Verletzten in Dnjepropetrowsk. Janukowitsch setzte eine Belohnung von umgerechnet 175 000 Euro für die Ergreifung der Attentäter aus. Der Geheimdienst SBU hat am Sonntag Phantombilder von drei Verdächtigen veröffentlicht. Die Männer zwischen 30 und 45 Jahren würden wegen „terroristischer Attentate“ gesucht, teilte die SBU-Zweigstelle in Dnjepropetrowsk mit. Zu den möglichen Motiven der Verdächtigen machte der SBU keine Angaben. Ein Unbekannter namens „Eurobomber“ hatte am Samstag auf einer örtlichen Nachrichtenseite im Internet erklärt, gemeinsam mit einem Komplizen Anschläge in Dnjepropetrowsk verübt zu haben.

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Noch am Freitag hatte die immer autoritärer auftretende Staatsmacht die Motive bereits ausgemacht und von Terroristen gesprochen. Premierminister Mykola Azarow bezichtigte auf Facebook die demokratische Opposition der Anschläge. Am Samstag war sich Janukowitschs Staatsapparat seiner Sache nicht mehr so sicher. Er sehe eher kriminelle als politische Hintergründe, erklärte nun Vizegeheimdienstchef Wladimir Rokitski.

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