Ukraine : Auf der Suche nach Stabilität

Bei der Wahl in der Ukraine liegt Janukowitsch nach ersten Prognosen vorn – er muss in die Stichwahl.

Knut Krohn

Warschau - Die Sensation ist ausgeblieben. Mit einem fulminanten Endspurt wollte Sergej Tigipko bei der Präsidentenwahl in der Ukraine die Konkurrenz hinter sich lassen. Die Umfrage eines russischen Institutes sah den smarten Banker und früheren Wirtschaftsminister wenige Tage vor der Wahl auf dem zweiten Platz und sorgte damit für einigen Wirbel im eher langweiligen Wahlkampf. Doch Tigipko landete am Sonntag auf dem dritten Platz. Nun stehen sich am 7. Februar bei der Stichwahl zwei bekannte Gesichter gegenüber. Viktor Janukowitsch erreichte nach ersten Prognosen knapp über 30 Prozent der abgegeben Stimmen, gefolgt von Julia Timoschenko, die rund 27 Prozent bekam.

Neben diesen beiden Gewinnern steht aber auch der große Verlierer der Wahl fest: Viktor Juschtschenko. Der einstige Held der Orangenen Revolution hat während seiner fünfjährigen Amtszeit sämtlichen Kredit in der Bevölkerung verspielt. Nur noch etwa 6 Prozent der Ukrainer wünschten ihm eine zweite Amtszeit. Zuletzt sprachen alle Zeichen immer deutlicher gegen Juschtschenko, in den Umfragen rangierte er weit hinter seinen beiden größten Rivalen Janukowitsch und Timoschenko. Doch der Präsident wollte offensichtlich nicht daran glauben, dass er im Volk seine Glaubwürdigkeit verspielt hatte. Zudem hatte er auch den Nimbus des Saubermannes eingebüßt, denn sein Name fiel immer wieder im Zusammenhang mit unsauberen Geschäften und Postenschiebereien.

Eine seiner letzten und auch schwersten politischen Niederlagen erlitt er ausgerechnet gegen Julia Timoschenko, seine energische Partnerin während der Orangenen Revolution im Jahr 2004. Während Juschtschenko im vergangenen Winter Hasstiraden gegen Russland schleuderte, gelang es der Premierministerin in den Wochen des „Gas-Krieges“, einen Vertrag mit Moskau über die Wiederaufnahme der eingestellten Energielieferungen auszuhandeln. Dafür erntete sie den Dank des Volkes und die Achtung des Westens. Das steigerte die Abneigung Juschtschenkos gegenüber der überlegt auftretenden Premierministerin scheinbar ins Unermessliche. Er übergoss Timoschenko zuletzt mit beißendem Spott, bezeichnete sie als „Pennerin“ und erklärte, dass jemand wie sie nicht Präsidentin werden dürfe.

Doch das Volk war von den persönlichen Auseinandersetzungen der einstigen Ikonen der Revolution zunehmend angewidert. Aus diesem Grund hat nun ausgerechnet der Mann die größte Chance Präsident zu werden, den die beiden vor fünf Jahren von der Macht fegten: Viktor Janukowitsch. Er versprach den Menschen im Wahlkampf das, was sie nach diesen Chaosjahren am meisten ersehnen: Ruhe und Stabilität. Knut Krohn

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