Ukraine : Juschtschenko zeigt sich versöhnlich

Nach dem knappen Wahlsieg des Reformblocks in der Ukraine bietet Präsident Viktor Juschtschenko seinem pro-russischen Gegenspieler Viktor Janukowitsch eine enge Zusammenarbeit an. Nur so könne es Stabilität im Parlament und bei der Regierungsbildung geben.

Viktor Juschtschenko
Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko. -Foto: dpa

München/Kiew"Wir sollten die Opposition in die Bildung der Parlamentsausschüsse einbinden und bei der Regierungsbildung berücksichtigen", sagte Juschtschenko dem Magazin "Focus". "Vom Vizepremier abwärts bis hin zum Ministerposten" sei alles denkbar.

Die Drohung des russischen Energiekonzerns Gazprom unmittelbar nach dem Wahlsieg der Reformer, die Gaslieferungen zu drosseln, bezeichnete Juschtschenko als Politisierung der Energiefrage. Er warnte, die Drohungen seien nicht nur ein Problem der Ukraine, sondern auch von Europa und Deutschland und rief dazu auf, eine gemeinsame Antwort darauf zu finden.

Nach dem am Freitagabend veröffentlichten vorläufigen Endergebnis kamen die Präsidentenpartei Unsere Ukraine von Viktor Juschtschenko (14,15 Prozent) und der Block Julia Timoschenko (30,71 Prozent) zusammen auf 44,86 Prozent der Stimmen. Die anderen Parteien erhielten demnach zusammen 43,72 Prozent der Stimmen: Von diesen kam Janukowitschs Partei der Regionen auf 34,37 Prozent, die verbündeten Kommunisten erhielten 5,39 Prozent der Stimmen. Der Block Litwin, dessen politische Ausrichtung nicht eindeutig ist, landete bei 3,96 Prozent der Stimmen.

Janukowitsch vermittelt im Gasstreit

Regierungschef Janukowitsch wird am Dienstag nach Moskau reisen, um den Gasstreit zwischen den beiden Ländern beizulegen. Offiziell hieß es heute, Hauptthema des Treffens mit dem russischen Ministerpräsidenten Viktor Subkow sei die "Vertiefung der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit". Janukowitsch hatte aber bereits am Mittwoch angeboten, zur Beilegung des Konflikts nach Moskau zu reisen.

Der russische Energieriese hatte der Ukraine am Dienstag wegen ausstehender Schulden mit der Drosselung seiner Erdgaslieferungen gedroht. Nach Gazprom-Angaben schuldet die Ukraine Russland 1,3 Milliarden Dollar (rund 921 Millionen Euro) für Erdgas. In der EU war daraufhin erneut die Furcht vor Lieferschwierigkeiten gewachsen. Bei einem ähnlichen Streit Anfang 2006 waren die russischen Gaslieferungen durch ukrainische Pipelines nach Westeuropa zeitweise reduziert worden. (mit AFP)

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