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Ukraine : Separatisten stellen Freilassung der Beobachter in Aussicht

Die Geiselnehmer von sieben Militärbeobachtern im Osten der Ukraine haben nach eigenen Angaben Fortschritte bei den Verhandlungen über eine Freilassung gemacht. Der Bürgermeister der Stadt Donezk warnt vor einem „Krim-Szenario im Donbass“.

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Ein Soldat an einem Checkpoint bei der ostukrainischen Stadt Slowjansk.
Ein Soldat an einem Checkpoint bei der ostukrainischen Stadt Slowjansk.Foto: dpa

Die Verhandlungen über die Freilassung der im ostukrainischen Slowjansk festgehaltenen Militärbeobachter aus OSZE-Staaten machen nach den Worten des prorussischen Milizenführers Wjatscheslaw Ponomarjow „bedeutende Fortschritte“. Binnen „kürzester Zeit“ sei ein „positiver Ausgang“ möglich, sagte Ponomarjow am Dienstag während einer Pressekonferenz. Gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte der Milizenführer, es könne eine Freilassung ohne einen Geiselaustausch geben. "Wir haben mit der OSZE ein Abkommen, noch keine weiteren Details zu nennen."

Beobachter wie der ukrainische Journalist Vitali Portnikow warnten dagegen davor, dass die westlichen Geiseln in den nächsten Wochen nicht mit einer Freilassung rechnen können. In der Ostukraine wollen die Rebellen am 11. Mai ein Referendum über den Anschluss an Russland abhalten. Der reguläre Bürgermeister der Stadt Donezk, Alexander Lukjantschenko, warnte vor einem „Krim-Szenario im Donbass“. Auf einer Pressekonferenz in Donezk rief er die Bürger dazu auf, der Abstimmung fernzubleiben. „Die Stadt Donezk beteiligt sich weder an den Vorbereitungen noch an der Durchführung am 11. Mai“, sagte Lukjantschenko. Er sprach von „illegalen Aktionen“.

"Zügelloser Hass" im Osten der Ukraine

Während des Pressebriefings ging der Bürgermeister auch auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen ein, bei denen am Montagabend nach einer proukrainischen Kundgebung mehrere Menschen schwer verletzt wurden. Lukjantschenko sprach von „roher Gewalt“, die von mehreren Gruppen maskierter Täter ausgegangen sei. Die Männer hätten mit „zügellosem Hass zugeschlagen, und sogar auf Frauen wurde eingedroschen“, sagte der Bürgermeister.

Auch ein Fernsehteam der ARD wurde von den Maskierten angegriffen. Die Nacht über waren sieben Menschen in der Gewalt der Vertreter der selbst ernannten Republik Donezk. Alle Geiseln wurden am Morgen freigelassen. Sie hätten die Nacht im besetzten Gebäude der Regionalverwaltung in Donezk verbracht, melden ukrainische Medien.

Unterdessen ist der bei einem Attentat schwer verletzte Bürgermeister von Charkiw, Gennadi Kernes, in ein Krankenhaus nach Haifa ausgeflogen worden. Am Montagabend waren israelische Militärärzte nach Charkiw gekommen. Sie nahmen den Patienten mit, berichtet die Sprecherin des Bürgermeisters. Kernes werde nach einer Operation im künstlichen Koma gehalten, er habe Verletzungen an der Lunge, der Leber, im Bauchbereich und an der Wirbelsäule. (mit Agenturen)

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