Ukraine und Russland : Urlaubssperre für die Truppen des Wladimir Putin

Die Russen behaupten, ihre Soldaten kämpften in der Ukraine nur als Freiwillige, die ihren Urlaub für den Nachbarn opfern. Harald Martenstein meint: Wenn das stimmt, ist der Konflikt bald gelöst.

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Ein Kontrollpunkt im Osten der Ukraine. Wenn russische "Urlaubssoldaten" demnächst nach Florida umgeleitet würden, wäre der Friede gesichert, mein unser Kolumnist Harald Martenstein.
Ein Kontrollpunkt im Osten der Ukraine. Wenn russische "Urlaubssoldaten" demnächst nach Florida umgeleitet würden, wäre der Friede...Foto: dpa

Das Sonderbare am Ukraine-Krieg besteht darin, dass er kinderleicht zu beenden wäre. Wladimir Putin hat klar und deutlich erklärt: Wenn russische Soldaten sich in der Ukraine aufhalten, dann sind es lediglich Urlauber, die in ihren Ferien ein bisschen was erleben wollen. Sollten aber russische Panzer oder Fallschirmjäger in der Ukraine auftauchen – wer fährt schon mit dem Panzer in Urlaub? –, dann haben die sich verfahren oder verlaufen.

Das heißt, eine Urlaubssperre bei den russischen Streitkräften sowie gute Navigationssysteme genügen, um den Konflikt wesentlich zu entschärfen. Warum bietet die Nato Putin nicht an, alle Sanktionen aufzuheben, und er muss als einzige Gegenleistung seine Truppen bitten, in Zukunft in Italien oder in Florida Urlaub zu machen? Da ist es auch schön. Die Nato übernimmt alle Reisekosten.

Mit Putin sind nicht nur der territoriale Eroberungskrieg und die Idee des nationalen Großreiches nach Europa zurückgekehrt, sondern auch die Propaganda, in ihrer plumpen, dümmsten Form. Jemand, der den Quatsch glaubt, findet sich immer. In Deutschland erinnern wir uns. Was war noch gleich die Mauer? Ein antifaschistischer Schutzwall. Die Mauer war nicht dazu da, die DDR-Bürger am Verlassen des Landes zu hindern, nein, sie sollte die DDR-Bürger vor der BRD beschützen, wo der Faschismus zu Hause ist. Schießbefehl? Gab es nicht. Wahlen? In der DDR frei und demokratisch, im Westen vom Großkapital manipuliert. Ganz wichtig: das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Wenn die Völker aber auf dumme Ideen kommen, zum Beispiel die Tschechen und Slowaken, dann marschieren wir ein. Und was sagt die Propaganda dazu? Dass der westliche Imperialismus die CSSR schlucken wollte. Schon klar.

Putin will mit der Ukraine etwa das tun, was Breschnew 1968 mit der CSSR getan hat. Vor ein paar Tagen hat Putin übrigens erklärt, auch Kasachstan sei kein echter Staat, es gehöre von alters her Russland. Hat er ein Recht dazu? Ja, unter einer Prämisse: Man muss die nationale Größe Russlands für wichtiger halten als das Selbstbestimmungsrecht der Völker, als den Frieden und als Tausende von Menschenleben.

Auslöser des Krieges war der Wunsch der meisten Ukrainer, in einem demokratischen Land, ohne Unterdrückung und in Wohlstand zu leben. Das alles hat Putins Russland leider nicht zu bieten. Putins Angebot heißt rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe, Zerstörung der Natur, Repression plus Freiheit für Gangster und Oligarchen. Putin hat, wie Breschnew, nicht Angst vor der Nato. Die Nato wird ihn nicht angreifen, jeder weiß das. Er hat Angst davor, dass auch die Russen auf dumme Ideen kommen.

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