Ukraine : Vitali Klitschko kämpft um die Macht in Kiew

Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko wirbt in Kiew um Stimmen. Er will am Sonntag Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt werden. Dabei hat er einen mächtigen Verbündeten.

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Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko will Bürgermeister in Kiew werden.
Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko will Bürgermeister in Kiew werden.Foto: dpa

Ob vor Einkaufszentren, in Kinos oder Wohnanlagen: Vitali Klitschko tourt derzeit täglich durch Kiew und macht wieder Wahlkampf. Im dritten Anlauf, nach 2006 und 2008, will er am Sonntag Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt werden. Parallel zu den Präsidentschaftswahlen sind die Bürger in Kiew aufgerufen, ein neues Stadtoberhaupt zu bestimmen. Der Posten gilt als prestigeträchtig, der Bürgermeister hat den Rang eines Regionalgouverneurs.

Ukraine: Klitschko im Fahrwasser Poroschenkos

Ursprünglich wollte sich der frühere Boxweltmeister sogar um das höchste Staatsamt bewerben, doch dann er hat zugunsten des Milliardärs Petro Poroschenko verzichtet. Nun machen beide einen Doppelwahlkampf. In der Kiewer Innenstadt hängen rot-weiße Banner mit dem Slogan „Poroschenko und Klitschko für Kiew“. In Umfragen für die jeweiligen Ämter liegen sowohl der Unternehmer Poroschenko als auch der Boxprofi Klitschko vorne. Die Botschaft von Klitschko lautet: „Veränderungen beginnen in Kiew.“ Gemeint ist damit nichts weniger als eine grundlegende Reform des ukrainischen Staates und der Gesellschaft.

Er verspricht Beteiligung

Der durch seinen Sport bekannte und beliebte Klitschko verspricht den Menschen neue Strukturen in der Stadt. Die jungen Leute fordert er auf, sich aktiv einzubringen. Berufstätige, Studenten und sogar Schüler sollen als Berater oder Praktikanten in der Stadtverwaltung beim Umbau helfen. Dabei wird der Boxweltmeister vom früheren georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili unterstützt, der dafür steht, dass so ein Prozess in einer ehemaligen Sowjetrepublik gelingen kann. „Georgien hat gezeigt, wie man erfolgreich ein ganzes Land reformieren kann. Wir wollen das nun auch in Kiew versuchen“, ruft Klitschko seinen Anhängern vor einem Kiewer Einkaufszentrum zu. Saakaschwili steht neben ihm.

Anhänger in alten Häusern

Egal wo Klitschko in diesen Tagen vorbeischaut, die Menschen hören geduldig zu. Iwana zum Beispiel. Sie lebt in der Schlafstadt am linken Ufer der Millionenmetropole Kiew. Nur während der Heizperiode im Herbst und Winter gibt es in den unzähligen Hochhäusern warmes Wasser. Viele der 20 oder 30 Jahre alten Gebäude sind stark renovierungsbedürftig. Fahrstühle funktionieren oft nicht, Fenster und Dächer sind undicht. Obwohl es regnet, will die 26-jährige Iwana Klitschkos Rede hören. „Ich war im Winter auch ein paar Mal auf dem Maidan, damals fand ich Klitschko schon überzeugend“, sagt die Verkäuferin. Sie hofft, dass er vor allem für die Erneuerung der Infrastruktur in Kiew sorgt. „Bis zu unseren Häusern fährt keine U-Bahn, dabei wurde uns bereits ein Anschluss versprochen, als ich noch ein Schulmädchen war“, beklagt sich Iwana.

Trotz des regnerischen Wetters haben sich rund 2500 Menschen eingefunden, stehen unter Regenschirmen an der Bühne. In vielen Gesichtern spiegelt sich die Last eines mühsamen Lebens. Auch Elektriker Oleg ist zum Klitschko-Auftritt vor das Einkaufszentrum gekommen. „Ich hoffe, dass er uns nicht genauso vergisst wie seine Vorgänger“, sagt der 45 Jahre alte Mann. „Geredet haben unsere Politiker bisher alle, doch bereits einen Tag nach den Wahlen waren wir für sie nicht mehr existent.“

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