Ukrainischer Botschafter im Interview : "Der Fall Lisa war nur ein Test"

Der ukrainische Botschafter meint, dass sich in Deutschland Meinung für russische Zwecke machen lässt - und Russen mit deutscher Staatsbürgerschaft Wahlen beeinflussen könnten.

Demonstration von Russlanddeutschen in Berlin.
Demonstration von Russlanddeutschen in Berlin.Foto: DAVIDS

Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andreas Melnyk, hat vor einer weiteren Einflussnahme Russlands auf die deutsche Politik und Gesellschaft gewarnt. "Der Fall Lisa war nur ein Test, um vorzufühlen, wie weit sich die Öffentlichkeit hier für so etwas mobilisieren lässt“, warnt Melnyk im Interview mit Zeit Online.

Russische Medien und Politiker hatten in dem angeblichen Vergewaltigungsfall einer 13-jährigen Russlanddeutschen aus Berlin die Stimmung in der Flüchtlingsdebatte unter den Russlanddeutschen angeheizt. In Deutschland könne man sich "nun vielleicht besser vorstellen, unter welchem Druck die Ukraine steht“, sagte der Botschafter. Das Theater, das die Deutschen im Fall Lisa erlebt hätten, bekämen "die Ukrainer über russische Kanäle Tag und Nacht zu hören“. Melnyk betonte die wichtige Rolle von Deutschland und Angela Merkel für sein Land: Die Bundeskanzlerin habe "sich im vorigen Jahr persönlich stark für die Ukraine eingesetzt. Das war entscheidend: Wer weiß, wo wir heute ohne sie stehen würden.“

Um so mehr bedauert er, dass in Deutschland nun die Sanktionen für Russland zunehmend in Frage gestellt würden. "Wir sehen diese Gefahr. Nicht nur in Bayern.“ Den Besuch von Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei Wladimir Putin verurteilt Melnyk: "Wir sehen diesen Besuch sehr kritisch. Denn Einigkeit ist wichtig bei den Sanktionen. Putin hat es leider geschafft, den Eindruck entstehen zu lassen, dass es diese Einheit in Deutschland angeblich nicht mehr gibt. Das ist für uns und auch für Europa selbst gefährlich.“ (Tsp)

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