Politik : Ullrich von Tour de France ausgeschlossen

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Berlin - Wenige Stunden vor Beginn der Tour de France ist für Jan Ullrich schon alles vorbei. Am Freitagvormittag suspendierte der Radrennstall T-Mobile Ullrich, seinen persönlichen Betreuer Rudi Pevenage und den spanischen Radprofi Oscar Sevilla wegen einer möglichen Verwicklung in die spanische Doping-Affäre. „Ich bin in einem absoluten Schockzustand. Ich fühle mich als Opfer“, sagte Ullrich später. „Jetzt bin ich am Boden, aber ich werde weiterhin kämpfen.“ Ullrich will nun seine Anwälte einschalten.

Nur kurze Zeit nach den Suspendierungen bei T-Mobile gaben die Organisatoren der Tour dann bekannt, dass alle Radsportler, die auf der Ermittlungsliste der spanischen Behörden stehen, ausgeschlossen werden. Im Ermittlungsbericht sind insgesamt 58 Namen von Radprofis aufgeführt – neun von ihnen sollten an der Tour de France teilnehmen. So verliert nicht nur Jan Ullrich die Chance aufs Gelbe Trikot, sondern auch Ivan Basso aus Italien sowie die Spanier Francisco Mancebo und Joseba Beloki.

Im Zuge der Dopingrazzia „Operation Bergpass“ hatte die spanische Polizei im Mai die Räume des Madrider Sportmediziners Eufemiano Fuentes durchsucht und dort fast 200 Blutbeutel und zahlreiche leistungssteigernde Mittel sichergestellt. Ebenso fanden die Polizisten Unterlagen, in denen die Namen der mit Doping versorgten Sportler verschlüsselt aufgeführt sein sollen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, die Entscheidung, Ullrich zu suspendieren, sei richtig gewesen, auch wenn es keine Vorverurteilung geben sollte. Auch das Fernsehen reagierte: Das in der ARD angekündigte „Tourjournal“ mit Jan Ullrich wird ersatzlos gestrichen. „Natürlich können wir in unserer Tour-Berichterstattung jetzt nicht ganz normal weitermachen“, sagte ARD-Sprecher Rolf-Dieter Ganz. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hingegen zeigte sich kämpferisch: „Erst recht übertragen wir ein Rennen mit gesäuberten Ställen“, sagte er. Tsp

Seiten 2, 17, 20, 27 und Meinungsseite

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