Umfrage : Bürger wollen amtliche Daten im Netz

Forsa-Umfrage: Die Deutschen wünschen sich von den Behörden mehr Datentransparenz im Internet. Die Befragten erhoffen sich davon mehr Information, Kontrolle und Mitsprache.

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Berlin - Das ergab eine Forsa-Studie im Auftrag des Softwareherstellers SAS Deutschland, die dem Tagesspiegel vorliegt. Demnach sprachen sich 68 Prozent der Befragten dafür aus, alle von Behörden gesammelten Daten online zu veröffentlichen – personenbezogene oder anderweitig geschützte Informationen ausgenommen. Es geht dabei laut SAS ausdrücklich um Rohdaten und nicht um aufbereitete Ergebnisse, wie sie zum Beispiel das Statistische Bundesamt bereitstellt. Laut der repräsentativen Umfrage erhoffen sich die Befragten davon mehr Information, Kontrolle und Mitsprache. 81 Prozent glauben, den Bürgern stünden so „mehr wertvolle Informationen kostenlos zur Verfügung“. Außerdem stimmten 76 Prozent der Aussage zu, die Behörden hätten damit stärkeren Anreiz, effektiver zu arbeiten.

Die Initiatoren der Studie verweisen auf die Initiative „Offenes Regieren“ (Open Government) von US-Präsident Barack Obama. Er hat die US-Behörden angewiesen, solche amtlichen Daten grundsätzlich zu veröffentlichen. US-Bürger können zudem online detailliert einsehen, welche Gelder die Regierung für welche Projekte ausgibt. Auch in Deutschland würden laut Forsa-Umfrage 59 Prozent gern online zur Kenntnis nehmen, wie die Gelder aus dem Konjunkturpaket in den Städten und Gemeinden in Deutschland genau verwendet werden. Mehr als die Hälfte der Befragten plädierte dafür, Ergebnisse amtlicher Lebensmittel- und Hygienekontrollen in Geschäften und Restaurants der eigenen Umgebung im Internet zu veröffentlichen – nach dem Vorbild der „Ekelliste“, die in der Vergangenheit einige Berliner Bezirke als Modellprojekt ins Netz gestellt hatten. Weitere 33 Prozent wollen mehr über die Feinstaubbelastung in Stadtteilen und ihrer eigenen Straße wissen.

„Auch in Deutschland ist die Diskussion um Open Government längst eröffnet“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem Tagesspiegel. Die Veröffentlichung von Rohdaten im Netz werde vom Ministerium geprüft.

Ob reine Rohdaten ohne Aufbereitung zu mehr Transparenz führen, wird allerdings auch bezweifelt. 69 Prozent der Befragten glauben laut dieser Studie, dass die Daten für die meisten Bürger nur schwer verständlich wären. Viele fürchten zudem, dass die Folgen der Veröffentlichung nicht immer abzusehen seien. Ansehen aber würden sie sich 69 Prozent der Befragten. 26 Prozent wären bereit, mit den Daten zu arbeiten und diese für andere aufzubereiten.Elisa Simantke

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