Umfrage : Deutsche und Franzosen sehen EU kritischer

Brüssel soll Macht abgeben, dafür sollen die EU-Mitgliedstaaten mehr Kompetenzen bekommen – so sehen es nach einer Umfrage immer mehr Deutsche und Franzosen. Zwar bleiben die EU-Skeptiker insgesamt in der Minderheit. In Deutschland markiert das Umfrageergebnis aber eine Trendwende.

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Die EU soll Macht abgeben - dieser Ansicht ist laut einer Umfrage eine Mehrheit unter Arbeitern in Deutschland und unter Anhängern der Front National in Frankreich.
Die EU soll Macht abgeben - dieser Ansicht ist laut einer Umfrage eine Mehrheit unter Arbeitern in Deutschland und unter Anhängern...Foto: Reuters

Immer mehr Deutsche und Franzosen sind der Ansicht, dass die Europäische Union künftig weniger Machtbefugnisse haben sollte. Stattdessen sollten die EU-Mitgliedstaaten mehr Kompetenzen bekommen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris im Auftrag der „Stiftung Genshagen“ für deutsch-französische Zusammenarbeit und des Pariser Think-tank „Institut Montaigne“.

Der Umfrage zufolge sprach sich der größte Teil der Befragten unter den Deutschen (44 Prozent) und der Franzosen (40 Prozent) dafür aus, dass die EU künftig Machtbefugnisse abgeben solle. Dagegen befürworteten in Deutschland 25 Prozent und in Frankreich 26 Prozent der Befragten einen Machtzuwachs für Brüssel. 31 Prozent (Deutschland) und 34 Prozent (Frankreich) waren der Auffassung, dass an der Machtbalance zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten nichts geändert werden sollte. Die Umfrage in Deutschland und Frankreich wurde bereits 2011 und 2012 erstellt. Vor allem in Deutschland stellt das diesjährige Ergebnis eine Trendwende dar: Während zwischen 2011 und 2012 der Anteil der Befragten, die sich für eine Beschneidung der EU-Machtbefugnisse aussprachen, von 32 auf 30 Prozent zurückgegangen war, stieg der Prozentsatz der EU-Skeptiker in diesem Jahr rapide an.

Zwar bleibt der Anteil der EU-Skeptiker in beiden Ländern weiter in der Minderheit. Aber unter den Arbeitern (Deutschland) und Anhängern der rechtsextremen Front National (Frankreich) stellt die Ansicht, dass die Kompetenzen der EU zurückgeschnitten werden sollten, inzwischen die Mehrheitsmeinung dar.

Mit neuen Augen sehen die Deutschen der Umfrage zufolge nach dem Machtwechsel in Paris – im Mai 2012 löste der Sozialist François Hollande den Konservativen Nicolas Sarkozy im Elysée-Palast ab – auch das deutsch-französische Verhältnis. 38 Prozent der Befragten in Deutschland bezeichneten die Beziehungen zwischen Berlin und Paris als sehr gut; 2012 waren nur 28 Prozent dieser Ansicht gewesen. In Frankreich wird das Verhältnis beider Länder ebenfalls wieder positiver gesehen. Allerdings äußerten sich die Befragten hier insgesamt deutlich kritischer über das deutsch-französische Duo: Vier von zehn Franzosen glauben, dass sich das Verhältnis beider Länder in einem schlechten Zustand befindet. In Deutschland sehen das nur etwa zwei von zehn Befragten so.

Privilegierte Partner

Auch wenn die Franzosen der bilateralen Paar-Beziehung insgesamt zurückhaltender gegenüberstehen, wird doch der Stellenwert beider Länder für die Europapolitik auf beiden Seiten des Rheins gleichermaßen hoch eingeschätzt. Während im Vorjahr noch 53 Prozent der Befragten in Deutschland der Ansicht waren, dass das deutsch-französische Tandem von entscheidender Bedeutung für die EU ist, waren es in diesem Jahr 61 Prozent. Auch im Nachbarland ist eine Renaissance der deutsch-französischen Beziehungen zu beobachten: Inzwischen messen auch hier 61 Prozent dem Verhältnis zwischen beiden Ländern eine sehr große Bedeutung für die Zukunft der EU bei. Im vergangenen Jahr hatten nur 47 der Befragten diese Meinung vertreten.

Immer mehr Deutsche und Franzosen vertreten der Umfrage zufolge auch die Einschätzung, dass die beiden Länder füreinander die wichtigsten Partner in der EU darstellten. Mit weitem Abstand nannten die Befragten in Deutschland (81 Prozent) und in Frankreich (93 Prozent) das jeweilige Nachbarland auf die Frage, welcher EU-Staat als Partner die größte Bedeutung habe.

Befragt wurden für die Umfrage jeweils 1000 Personen in Deutschland und in Frankreich zwischen dem 26. September und dem 4. Oktober.

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