Umfrage : Deutschtürken fühlen sich unerwünscht

Jeder zweite Deutschtürke fühlt sich in der Bundesrepublik nicht willkommen und seine Interessen von Bundeskanzlerin Merkel nur unzureichend vertreten. Die CDU-Integrationsbeauftragte Maria Böhmer wirbt unterdessen für mehr Vertrauen.

Jörg Säuberlich[ddp]

BerlinEine neue Umfrage heizt die Debatte über die Integration von türkischstämmigen Migranten in Deutschland an. Demnach hat jeder zweite Deutschtürke das Gefühl, in der Bundesrepublik unerwünscht zu sein. Eine große Mehrheit sieht sich zudem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht vertreten. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, forderte Merkel zu verstärkten Integrationsbemühungen auf. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), warb um mehr Vertrauen.

Der Umfrage zufolge glauben 78 Prozent der Deutschtürken nicht an Merkels Versprechen, sie sei auch ihre Kanzlerin. 58 Prozent fühlen sich in Deutschland unerwünscht - bei den Frauen sind es sogar 68 Prozent. 89 Prozent forderten, die deutsche Gesellschaft sollte stärker auf die Gewohnheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen.

Deutschtürken wollen ihre Kultur bewahren

Zudem äußerten 92 Prozent die Überzeugung, es sei wichtig, "dass die Türken in Deutschland ihre eigene Kultur bewahren". Unter dem Strich sind jedoch die meisten Deutschtürken zufrieden mit der Entscheidung, nach Deutschland zu gehen. Knapp zwei Drittel bejahten die Aussage, es sei richtig gewesen, mit der Familie in die Bundesrepublik gekommen zu sein. 31 Prozent sehen das anders.

Böhmer betonte: "Das in der Umfrage dargestellte Meinungsbild zeigt, dass wir noch mehr tun müssen, um das Zugehörigkeitsgefühl der türkeistämmigen Zugewanderten zu Deutschland zu stärken." Wichtig sei neben Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation ein "herzliches Signal des Willkommens".

Böhmer fügte hinzu: "Die 2,7 Millionen Menschen aus türkischen Familien, die in Deutschland leben, gehören zu uns, sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle." Gerade türkische Zuwanderer der ersten Generation hätten mit ihrer Arbeitskraft erheblich zum Wohlstand in Deutschland beigetragen.

Türkische Gemeinde: Merkel soll mit uns reden

Kolat mahnte, notwendig seien "vertrauensbildende Maßnahmen" der Bundesregierung. So sollte Merkel die türkischstämmigen Bürger zu einer Großveranstaltung einladen und mit ihnen sprechen. Dies wäre ein "gutes Signal". Die Türkische Gemeinde sei gerne bereit, eine derartige Veranstaltung gemeinsam mit der Kanzlerin zu organisieren.

Kolat warb zudem für ein kommunales Wahlrecht für Migranten. Damit könne den Menschen ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl vermittelt werden. Insgesamt müssten die "Teilhabechancen" von Menschen nichtdeutscher Herkunft verbessert werden.

Der Vorsitzende des Islamrates, Ali Kizilkaya, forderte von der Bundesregierung eine verstärkte Förderung von Migrantenkindern. Bildung sei eine wichtige Voraussetzung für Integration. Kizilkaya betonte, die Möglichkeiten für einen sozialen Aufstieg von Migranten müssten verbessert werden. Die Migrantenverbände seien zu einer größeren Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bereit.

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