Umfrage : "Die Beziehung ist nicht gesund"

Das Verhältnis von Amerikanern und Europäern ist in einem betrüblichen Zustand, oder, meint Neil Kinnock, "die Beziehung ist nicht so gesund, wie sie es einmal gewesen ist". Tendenzen dazu, sagt der Chef des British Council, habe es schon nach dem Ende des Kalten Krieges gegeben.

Knut Krohn[Warschau]

Berlin - Doch der Irakkrieg habe die heutige Schieflage entscheidend beeinflusst, sagt der frühere Chef der Labour-Partei: Nach einer Umfrage des Council von diesem Januar sehen 46 Prozent der Europäer den Einfluss der USA auf die Welt negativ; wer keine engere Bindung an Amerika will, begründet das vor allem mit der US-Außenpolitik.

In sieben europäischen Ländern, den USA und Kanada hat das British Council Menschen zum transatlantischen Verhältnis befragt. Die Vorstellung der Studie am Mittwoch zeigte aber neben dem Graben zwischen beiden Atlantikseiten, auch eine unterschiedliche Wahrnehmung: Während die Hälfte der Europäer die USA negativ beurteilten, sahen 57 Prozent der Amerikaner die Rolle der Europäer positiv.

Kinnock bleibt optimistisch, da die Menschen „trotz negativer Stereotypen fast identische Sorgen über gemeinsame Werte umtreiben“. Tatsächlich beschäftigen nach der Studie in Nordamerika wie in Europa Klima und Umwelt die Menschen am meisten, gefolgt von Krieg, Kampf gegen den Terror und Armut.

Hier müsse zusammengearbeitet werden, denn: „Wir dürfen die Beziehung der zwei großen, stabilen, demokratischen Segmente auf der Welt nicht aufs Spiel setzen“, sagt Kinnock. „Ich will auch nicht, dass meine Enkelkinder in 30 Jahren wieder bei null anfangen müssen.“ Deshalb hat das British Council die Initiative Transatlantic Network 2020 gegründet, bei der junge Führungskräfte aus Bereichen von Polizei über Politik bis zu Medien sich mit der gemeinsamen Zukunft beschäftigen. Und Kinnock setzt auf einen Politikwechsel in den USA.

Beim Klimaschutz habe sich die Regierung von George W. Bush „so bodenlos“ verhalten, hier könne ein neuer Präsident gar nicht schlimmer sein. Im Irak aber brauche es einen echten Strategiewechsel, um die Europäer wieder mit an Bord zu holen. Doch schlicht den Rückzug anzutreten und das Land sich selbst zu überlassen, wäre ein „Sieg der Fundamentalisten – den sich, egal, was er vom Krieg denkt, niemand leisten kann“. Überhaupt sei das Problem am Irakkrieg nicht, dass irgendjemand Saddam Hussein nicht habe loswerden wollen. „Die Quelle für den Missmut war doch der riesige Fehler“, sagt Kinnock, „sich nicht auf die Zeit danach vorzubereiten.“

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