Umfrage in Hessen : CDU auf Talfahrt - Ypsilanti vor Koch

Roland Koch macht den hessischen Wahlkampf wieder spannend: Acht von zehn Hessen sind der Meinung, dass der CDU-Ministerpräsident in punkto Jugendgewalt erst mal seine eigenen Hausaufgaben machen sollte - SPD-Herausforderin Andrea Ypsilanti liegt jetzt erstmals vor Koch.

Köln/Wiesbaden/HannoverEineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Hessen muss Ministerpräsident Roland Koch (CDU) um die Regierungsbildung immer mehr bangen. Nach einer neuen Umfrage schloss die SPD auf die CDU fast auf. In Niedersachsen, wo ebenfalls am 27. Januar Landtagswahl ist, scheint dagegen die Zukunft der schwarz-gelben Regierungskoalition unter Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gesichert.

In Hessen würde die CDU nach der gestern veröffentlichten Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag der "ARD-Tagesthemen" nicht nur ihre absolute Mehrheit von 2003 (48,8 Prozent) verlieren. Auch eine Koalition mit der FDP hätte keine Mehrheit. In der Direktwahlfrage liegt Ministerpräsident Koch mit nur 38 Prozent erstmals hinter seiner Herausforderin Andrea Ypsilanti (SPD) mit 48 Prozent.

Wenn am nächsten Sonntag gewählt würde, käme die CDU laut jüngster Erhebung auf 38 Prozent der Wählerstimmen, zwei Punkte weniger als vor einer Woche. Die SPD würde mit 37 Prozent (plus zwei Punkte) dicht aufrücken. Die FDP büßte einen Punkt ein und käme auf 8 Prozent, die Grünen verloren zwei Punkte auf 7 Prozent. Die Linke würde zwei Punkte zulegen und mit 6 Prozent erstmals in den hessischen Landtag einziehen. Nach diesem Stand kämen die drei linken Parteien zusammen auf 50 Prozent.

Zwiegespalten sind die Hessen beim Thema Jugendgewalt im Wahlkampf. 50 Prozent der Hessen finden es gut, dass Koch das Thema in den Wahlkampf eingebracht hat (48 Prozent nicht gut). Allerdings sind 65 Prozent der Befragten der Meinung, dass Kochs Lösungsvorschläge zu dem Thema nicht richtig sind. Gar 82 Prozent sind der Ansicht, dass Koch "erstmal seine eigenen Hausaufgaben in Hessen machen und dafür sorgen sollte, dass es dort zu schnelleren Gerichtsurteilen kommt".

Klare Verhältnisse in Niedersachsen

In Niedersachsen erreicht die Union nach der Umfrage nun 44 Prozent der Stimmen (minus 1). Die SPD gewinnt einen Punkt auf 34 Prozent. Die FDP erhält unverändert 7 Prozent. Die Grünen liegen nun ebenfalls bei 7 Prozent (minus 1). Die Linke könnte in den Landtag einziehen. Sie gewinnt im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte hinzu und kommt auf 5 Prozent.

Im direkten Vergleich mit Ministerpräsident Wulff schneidet SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner trotz leichter Zugewinne weiter schlecht ab. Könnten die Niedersachsen den Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich 55 Prozent (minus 8) für den Amtsinhaber und 27 Prozent (plus 4) für seinen Herausforderer entscheiden. 44 Prozent der Niedersachsen sind der Meinung, dass die künftige Landesregierung wieder von der CDU geführt werden sollte. 41 Prozent finden, die SPD sollte an die Regierung kommen.

Einer weiteren Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR zufolge haben die meisten Niedersachsen ihre Wahlentscheidung bereits getroffen. 83 Prozent der Wahlberechtigten hätten sich schon festgelegt, nur 17 Prozent meinten, an ihrer Wahlentscheidung könne sich noch etwas ändern. (jam/dpa/ddp)

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