Umfrage : Obama steigert weltweit US-Ansehen

Umfrage in 25 Ländern: Der Imagegewinn der USA ist in Europa am höchsten. Unter den Muslimen bleiben die Werte jedoch weiter niedrig.

Christoph von Marschall[Washington]
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Vor allem in Westeuropa hat sich das Image der USA binnen eines Jahres schlagartig zum Positiven gewandelt. Das Foto zeigt eine...ddp

Das Vertrauen in die internationale Politik der USA hat sich mit dem Präsidentenwechsel von George W. Bush zu Barack Obama weltweit verbessert. Der Imagegewinn Amerikas fällt in verschiedenen Erdteilen jedoch unterschiedlich aus. In Europa ist er am höchsten, in muslimischen Ländern und in Israel am geringsten. Die viel beachtete Rede in Kairo an die Muslime am 4. Juni hat in der Zielgruppe die geringste Wirkung erzielt. Das ergibt eine Umfrage des Pew Research Center in Washington. Das Institut befragte 27 000 Menschen in 25 Ländern zwischen dem 18. Mai und 16. Juni.

Die Forscher untersuchten das Ansehen der USA, das Vertrauen in die Politik des US-Präsidenten generell sowie bei speziellen Themen wie Afghanistan oder Guantanamo. Sie fragten auch nach der Zustimmung zu Obama, die sie mit der zu Bush und mit der zu nationalen Spitzenpolitikern verglichen. Im Ergebnis ist der Vertrauenszuwachs in Deutschland, Frankreich und Großbritannien am höchsten. Im vergangenen Jahr glaubten, noch zu Bushs Amtszeit, 14 Prozent der Deutschen, der US-Präsident werde international das Richtige tun. Unter Obama sind es 93 Prozent. In Frankreich stieg das Vertrauen von 13 auf 91 Prozent, also um 78 Prozentpunkte; in Großbritannien von 16 auf 86 Prozent, also um 70 Prozentpunkte.

Nicht ganz so spektakulär ist der Zahlensprung, wenn die Forscher allgemein nach der Beliebtheit Amerikas fragten. 64 Prozent der Deutschen sehen die USA heute positiv, unter Bush waren es 2007 30 Prozent, 2000 am Ende der Amtszeit Bill Clintons 78 Prozent. In Großbritannien lauten die Zahlen 69 Prozent unter Obama, 51 Prozent unter Bush, 83 Prozent unter Clinton; in Frankreich 75 Prozent unter Obama, 39 Prozent unter Bush, 62 Prozent unter Clinton. Aus Sicht der Forscher ist die Zustimmung zu Obama Hauptursache des Imagegewinns der USA. In Westeuropa genießt er höheres Vertrauen als die nationalen Staats- und Regierungschefs, in Deutschland mehr als Angela Merkel, in Frankreich mehr als Nicolas Sarkozy.

In Mittel- und Osteuropa konnten die Pew-Forscher keine so klare Wende feststellen. In Polen ist das Zutrauen zu Amerika unter Obama (67 Prozent) nur geringfügig höher als unter Bush (61 Prozent). In Russland liegt Amerika unter Obama (44 Prozent) zwischen den Werten zu Bush-Zeiten; 2005 waren es 52 Prozent Zustimmung, 2007 41 Prozent. Auch in Mittel- und Osteuropa ist das Vertrauen in Obamas Politik aber im Vergleich zur Linie Bushs gestiegen, in Polen von 41 Prozent 2008 auf jetzt 62 Prozent. In Russland stieg das Vertrauen von 22 auf 37 Prozent.

In den westlich orientierten Ländern Asiens hat sich Amerikas Ansehen leicht verbessert: In Südkorea stieg es von 58 auf 78 Prozent, in Indien von 59 auf 76 Prozent, in Japan blieb es ungefähr gleich (60 Prozent). Das Vertrauen in Obamas Kurs ist auch dort deutlich höher als in Bushs Politik. In Japan stieg der Wert von 25 auf 85 Prozent, in Indien von 55 auf 77 Prozent, in Südkorea von 30 auf 81 Prozent.

In muslimischen Ländern hat Obama trotz seiner Charmeoffensive bisher wenig für Amerikas Image erreicht. In den Palästinensergebieten stieg die Zustimmung von 13 Prozent unter Bush auf 15 Prozent unter Obama, in Ägypten von 22 auf 27 Prozent, in Jordanien von 19 auf 25 Prozent, in Pakistan fiel sie sogar von 19 auf 16 Prozent, vor allem wegen der verstärkten Kriegsführung in Afghanistan. Die als Versöhnungsgeste gedachte Rede in Kairo hatte in der kurzen Zeit bis zur Befragung keinen messbaren Effekt auf die Beliebtheit Amerikas oder Obamas unter Muslimen. In Israel bewirkte sie einen Verfall des Vertrauens in die USA und ihren neuen Präsidenten. Bei den Einzelthemen stößt die Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan weltweit auf Ablehnung. Die Zusagen, aus dem Irak abzuziehen und Guantanamo zu schließen, genießen hohe Zustimmung.

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