Politik : Umfrage zeigt wenig Spendenbereitschaft für Kosovo-Aufbau

MÜNCHEN/TRIER/BONN (AFP/KNA). Zwei Drittel der Bundesbürger sind nicht bereit, für den Wiederaufbau des Kosovo und der angrenzenden Regionen zu spenden. 68 Prozent von rund 1000 Befragten lehnten solche Spenden laut einer Umfrage im Auftrag von "Focus" ab. Lediglich 29 Prozent sagten, sie wollten für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Region Geld geben.

Nach Einschätzung kirchlicher Friedensorganisationen müssen sich die Bürger der Europäischen Union (EU) auf neue Belastungen als Folge des Kosovo-Krieges einstellen. Angesichts der großen Schäden habe die Gemeinschaft der europäischen Staaten den "hauptsächlichen Anteil an ihrer Beseitigung" zu übernehmen, heißt es in einer am Wochenende in Trier verabschiedeten Erklärung der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden).

Darin werden die Deutschen ebenso wie die Bürger der übrigen EU-Staaten aufgefordert, "die begrenzten Mehrbelastungen mitzutragen, die sich aus dieser Aufgabe ergeben". Alle Menschen, die "bislang das Glück hatten, von solchem Leid verschont zu bleiben", müßten Anstrengungen unterstützen, die Auswirkungen der Gewalt "wenigstens zu lindern".

Außerdem verlangt die Kommission indirekt eine Ablösung der jugoslawischen Regierung unter Slobodan Milosevic. Ohne Namen zu nennen, wird in der Erklärung betont: "In Jugoslawien wird eine Veränderung des politischen Systems unausweichlich sein, die eine Demokratisierung ermöglicht und die politische Verantwortung in andere Hände legt als diejenigen derer, die für die gewaltsamen Auseinandersetzungen der letzten Wochen und ihre politischen wie humanitären Konsequenzen in erster Linie zur Rechenschaft zu ziehen sind."

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax bezeichnet die Waffenstillstandsvereinbarung und die Stationierung einer Friedenstruppe unter UN-Mandat als entscheidende Voraussetzungen für eine politische Lösung des Konflikts. An erster Stelle stehe nun der Schutz der Zivilbevölkerung vor weiterer Gewalt - insbesondere der vertriebenen Flüchtlinge im Kosovo und der dort lebenden Serben. Sie seien bedroht durch Folgen der Kämpfe, durch Minen, durch individuelle Terror-Aktionen und möglicherweise Vergeltungsakte. Die Friedenstruppe müsse die Voraussetzungen für "eine baldige Heimkehr der Vertriebenen" schaffen.

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