Umfragen vor den Parlamentswahlen : Steht Australien vor einem Regierungswechsel?

In Australien zeichnet sich das Ende der linken Labor-Regierung ab. Allerdings ist der konservative Oppositionsführer Abbott nicht gerade beliebt. Samstag geben die Australier ihre Stimme ab.

Premierminister Kevin Rudd gibt sich siegessicher. Umfragen zufolge könnte die Labor-Regierung 50 bis 150 Sitze verlieren.
Premierminister Kevin Rudd gibt sich siegessicher. Umfragen zufolge könnte die Labor-Regierung 50 bis 150 Sitze verlieren.Foto: dpa

Bei den Parlamentswahlen in Australien droht der linken Labor-Regierung an diesem Samstag eine herbe Niederlage. Die konservative Opposition lag in den letzten Umfragen am Freitag bei 53 oder 54 Prozent der Stimmen, Labor bei 46 oder 47. „Der Zeitgeist hat sich bewegt, Australien bewegt sich nach rechts“, schrieb die Zeitung „Sydney Morning Herald“ diese Woche.

Kevin Rudd bestreitet Niederlage

Die Regierungspartei könnte nach diesen Umfragen sogar auf 50 der 150 Sitze schrumpfen. Sie ist seit 2007 im Amt. Zur Zeit hält sie 71 Sitze und regiert mit Unterstützung von Unabhängigen. Premierminister Kevin Rudd (55) wollte die Niederlage noch nicht einräumen: „Dieser alte Hund hat noch Kampfgeist - wir können es noch schaffen.“ Sein Herausforderer Tony Abbott (55) gab sich zwar bescheiden, aber fast schon wie bei einem Sieg: „Ein Regierungschef weiß, dass er für alle da sein muss, auch die, die ihn nicht gewählt haben.“ Abbott galt selbst in der eigenen Partei der Liberalen lange als unwählbar: weil er polarisiert, sehr konservativ ist und lange alte Rollenmuster mit der Frau am Herd propagierte. Er tritt mit der ebenfalls konservativen Nationalen Partei als Koalitionspartner an.

Interne Streitigkeiten kosten die Labor-Partei Stimmen

Hinter Abbott stand im Wahlkampf 70 Prozent der australischen Presselandschaft. Die Blätter werden von Medienunternehmer und Abbott-Fan Rupert Murdoch kontrolliert, der sich keiner Neutralität verpflichtet sah. Während eines seiner Blätter Rudd als stümperhaften Nazi-Leutnant aus einer Comedy-Show verunglimpfte, wird Abbott als Heilsbringer gefeiert.

Labor hat sich vor allem durch interne Querelen bei den Wählern ins Abseits gespielt. Rudd und seine Stellvertreterin Julia Gillard fielen sich gegenseitig mehrfach in den Rücken. Abbott punktet vor allem mit einem großzügigen Paket für bezahlten Mutterschaftsurlaub. Die nächste Regierung muss nach 22 Jahren ununterbrochenem Wirtschaftswachstum die Weichen für ein neues Zeitalter stellen: das Ende des Rohstoffbooms mit Megaaufträgen aus China ist in Sicht. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft noch mit 2,6 Prozent im Jahresvergleich. (dpa)


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