Politik : Umsonst gewählt? (Kommentar)

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Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick klar aus: Sonja Gandhi und die Congress-Partei sind die großen Verlierer der indischen Parlamentswahlen, der Führer der Hindu-Partei Atal Behari Vajpayee hat die absolute Mehrheit errungen. Für die Witwe Rajid Gandhis ist klar: Sie hat keine politische Zukunft mehr. Die Zukunft des Landes ist dagegen eher unklar. Denn das Bündnis des Nationalisten Vajpayee besteht diesmal aus 24 Parteien. Diese unter einen Hut zu bringen, wird nicht einfacher als in der vergangenen Legislaturperiode. Damals hatte der alte, neue Premier es nicht geschafft, eine 18-Parteien-Koalition zusammenzuhalten. Es ist zu befürchten, dass die dringend notwendigen Reformen auch weiterhin wegen der Sonderwünsche einzelner Gruppierungen, auf deren Unterstützung der Premier angewiesen ist, nicht angepackt werden. Dies gilt insbesondere für das schwierige Verhältnis zum Nachbarn Pakistan, wobei dem Premier seine eigene Partei dabei wahrscheinlich am meisten im Wege ist. Bis zum Wahlsieg hielten sich die nationalistischen Hardliner zurück, Wähler der Mitte dankten es ihnen. Doch abgedankt haben die Hardliner deshalb nicht. Sie werden jede Chance ergreifen, kurzfristige Propagandasiege über Pakistan einer politischen Lösung, die nur ein Kompromiss sein kann, vorzuziehen. Indien wird also erstmal weiter sein Geld in Rüstung statt in Bildung stecken.

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