Politik : Umstritten bis zuletzt

Hans Filbinger gestorben – Vergangenheit als Marinerichter im Zweiten Weltkrieg lädierte seinen Ruf

-

Das Ende seiner politischen Karriere war jäh, und sein öffentlicher Ruf war danach dauerhaft ruiniert: Am 7. August 1978 musste Hans Filbinger widerstrebend als Ministerpräsident von Baden-Württemberg zurücktreten, weil das Maß an öffentlicher Kritik selbst seiner Partei, der CDU, zu massiv geworden war. Der Grund war weniger politisches Fehlverhalten in seinem Regierungsamt als Filbingers Vergangenheit als Marinejurist am Ende des Zweiten Weltkriegs. Als solcher war er an Todesurteilen gegen Soldaten der Wehrmacht (unter anderem wegen versuchter Desertion) und auch deren Vollstreckung beteiligt. Vor allem aber hatte sein Rücktritt und der nachfolgende tiefe Fall mit seiner Weigerung zu tun, sich dieser Vergangenheit zu stellen. Das begann schon damit, dass Filbinger wahrheitswidrig abstritt, überhaupt an solchen Urteilen beteiligt gewesen zu sein – was ihm von dem Schriftsteller Rolf Hochhuth in der „Zeit“ vorgehalten worden war. Machte ihn schon dieses Leugnen auch in seiner Partei zur problematischen Figur, führte ein Satz zu seiner Entlastung zu einer Woge der Empörung, die bis heute nachhallt (etwa in den Protesten gegen seine Teilnahme als Delegierter bei der Bundespräsidentenwahl 2004): „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.“

Der durch und durch konservative Katholik aus Baden gehörte in den 60er und 70er Jahren zu den Führungsfiguren des rechten CDU-Flügels. Als Ministerpräsident seit 1966 war er bis zu seinem Sturz durchaus erfolgreich, wenn auch umstritten wegen seines oft als arrogant und autoritär empfundenen Auftretens. Von allen Landeschefs im Südwesten war er wohl derjenige, dem die Bürger am wenigsten Sympathie entgegenbrachten. Gleichwohl konnte er 1972 und 1976 zwei Mal die absolute Mehrheit für die CDU erringen. Am Sonntag ist Filbinger in seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau im Alter von 93 Jahren gestorben. Sein später Nachfolger Günther Oettinger bezeichnete ihn am Montag als „Landesvater im besten Sinne“. afk

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben