Umstrittene Papst-Rede : Proteststurm ebbt nicht ab

Auch nach den Relativierungen des Vatikan ist die Empörung unter Moslems überall auf der Welt groß. In Gaza explodierte ein Sprengsatz vor einer christlichen Kirche.

Islamabad/Berlin - Die umstrittene Rede des Papstes stößt in der islamischen Welt weiter auf heftige Kritik. Das pakistanische Außenministerium bestellte am Freitag den Botschafter des Vatikanstaats ein. Zuvor hatte das Parlament einstimmig eine Entschließung verabschiedet, wonach das Oberhaupt der katholischen Kirche seine Bemerkungen zurücknehmen soll. In der Türkei wurden Rufe nach einer Absage des für Ende November geplanten Besuches von Benedikt XVI. laut. Vor einer christlichen Kirche in Gaza explodierte ein Sprengsatz. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verteidigte den Papst.

Dem Botschafter des Vatikanstaats sei darüber informiert worden, dass die "bedauerlichen Äußerungen" des Papstes die Moslems in aller Welt zutiefst verletzt hätten, teilte das Außenministerium in Islamabad mit. Der Apostolische Nuntius bedauerte den den Moslems zugefügten Schmerz und erklärte, die Medien hätten die historischen Zitate in der Rede des Papstes aus dem Zusammenhang gerissen. Der Papst hatte bei einem Vortrag in Regensburg unter anderem die Äußerung eines byzantinischen Kaisers zitiert, Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht. Der Vatikan hatte am Donnerstag angesichts der Proteste aus der islamischen Welt erklärt, der Papst habe die religiösen Gefühle der Moslems nicht verletzen wollen.

Bombenanschlag auf Kirche in Gaza

Der Außenminister des Vatikan, Dominique Mamberti, nannte den Dialog zwischen den Religionen "entscheidend". Dies habe der Papst bereits mehrfach betont, sagte der Franzose.

Der palästinensische Regierungschef Ismail Hanija forderte den Papst auf, seine Angriffe gegen die Religion von mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit einzustellen. Die Äußerungen seien unwahr und rührten "an den Kern unseres Glaubens", sagte er in Gaza. Dort explodierte am Nachmittag ein Sprengsatz vor einer christlichen Kirche. Es entstand geringer Sachstand, Menschen wurden nicht verletzt. Auch in Indien, Afghanistan, Iran, Irak, Libanon, Jordanien, Syrien, Ägypten, Kuwait, Katar, Österreich, Frankreich und Großbritannien übten moslemische Würdenträger und Organisationen harsche Kritik an den Papst-Äußerungen.

Moslembrüder: Schlimmer als die Karikaturen

Ein Vertreter der ägyptischen Moslembrüder sagte, die Äußerungen des Papstes seien schlimmer als die Mohammed-Karikaturen, die Anfang des Jahres für eine Welle der Empörung und teilweise gewaltsamen Ausschreitungen in der islamischen Welt gesorgt hatten.

"Jemanden, der über unseren Propheten herzieht, wollen wir in der Türkei nicht sehen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende der Angestellten im türkischen Religionsamt, Ahmet Yildiz, der islamistischen Zeitung "Anadolu'da Vakit". Ein Vertreter des Außenministeriums schloss eine Absage des Besuches aus, der Papst werde aber mit Sicherheit "kühl" empfangen.

Türkisches Religionsamt fordert Entschuldigung

Der Chef des staatlichen Religionsamtes in der Türkei, Ali Bardakoglu, hatte am Donnerstag eine Entschuldigung gefordert und gesagt, in der derzeitigen Situation sehe er nicht, welchen Nutzen der Papst-Besuch bringen sollte. Am Freitag sagte er der Nachrichtenagentur Anadolu: "Ich will dieses Thema jetzt nicht fortsetzen."

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Ayyub Axel Köhler, zeigte sich empört über die Äußerungen des Papstes. Dennoch solle der Dialog fortgesetzt werden, sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Stoiber und Merkel stellen sich hinter Benedikt

"Seine Botschaft, dass Glaube und Religion niemals mit Gewalt verbunden sein dürfen, ist wegweisend und es gibt überhaupt keinen Grund für Kritik gegenüber dem Papst", sagte Stoiber dem "Münchner Merkur". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm Papst Benedikt XVI. in Schutz. Die CDU-Vorsitzende sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer den Papst kritisiert, verkennt die Intention seiner Rede." Diese sei "eine Einladung zum Dialog der Religionen".

Merkel fügte hinzu, der Papst habe "sich ausdrücklich für diesen Dialog eingesetzt, den auch ich befürworte und für dringend notwendig halte". Sie betonte: "Was Benedikt XVI. deutlich macht, ist eine entschiedene und kompromisslose Absage an jegliche Anwendung von Gewalt im Namen der Religion." (tso/AFP/ddp)

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