Umstrittener Testflug : Wissenschaftler untersuchen Trümmerteile nordkoreanischer Rakete

Südkorea ist alarmiert und auch die USA interessieren sich sehr für das nordkoreanische Raketenprogramm. Nun haben Wissenschaftler Trümmerteile des Flugkörpers untersucht, den Nordkorea am Mittwoch ins All geschossen hatte.

Diese Rakete schickte Nordkorea am Mittwoch ins All. Nun analysierten Wissenschaftler aus Südkorea und den USA Trümmerteile.
Diese Rakete schickte Nordkorea am Mittwoch ins All. Nun analysierten Wissenschaftler aus Südkorea und den USA Trümmerteile.Foto: dapd

Nach dem umstrittenen Start einer Weltraumrakete durch Nordkorea hat die südkoreanische Marine ein Trümmerteil des Flugkörpers aus dem Gelben Meer geborgen. Es handle sich offenbar um einen Brennstofftank der ersten Stufe der Unha-3-Rakete, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul am Freitag mit. Durch eine Analyse des Teils erhofft sich Südkorea Aufschluss über den Stand der nordkoreanischen Raketenbautechnik.
An der Untersuchung sollen auch Spezialisten aus den USA teilnehmen, die sich mit der Raketentechnologie der ehemaligen Sowjetunion auskennen. Grundlage des jahrzehntealten nordkoreanischen Raketenprogramms sind Scud-Kurzstreckenraketen, die unter anderem die Sowjetunion geliefert hatte.
Nordkorea hatte die Unha-3-Rakete am Mittwoch ins All geschossen.

Südkorea hatte bestätigt, dass diese einen Satelliten auf eine Umlaufbahn gebracht habe. Während Nordkorea von einem Raketenstart zur zivilen Nutzung des Weltraums spricht, gehen die USA und Südkorea von einem verschleierten Test für die Entwicklung von Interkontinentalraketen für Atomsprengköpfe aus.

Nordkorea hatte am Mittwoch eine Trägerrakete abgefeuert und damit nach eigenen Angaben einen Forschungssatelliten ins All gebracht. Die erste Stufe der Rakete fiel vor der Koreanischen Halbinsel ins Meer, die zweite ging östlich der Philippinen nieder. Einem südkoreanischen Medienbericht zufolge wurden die Trümmer der ersten Stufe 160 Kilometer westlich des Hafens von Gunsan aus 80 Metern Tiefe geborgen.

Vor einem im April gescheiterten Raketentest hatte Nordkorea sowohl Japan als auch Südkorea gewarnt, dass jeglicher Versuch, Raketenteile zu bergen, als Kriegserklärung gewertet werde. Eine solche Warnung wurde vor dem Raketentest vom Mittwoch jedoch nicht ausgesprochen. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, da der Raketentest UN-Resolutionen verletzt habe, handle es sich bei den Trümmerteilen um die „Waffe eines feindlichen Staates“. Seoul sei deshalb nicht verpflichtet, diese an Pjöngjang zurückzugeben. (dpa/AFP)

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