Politik : Umstrittener US-Botschafter bei UN gibt auf

Matthias B. Krause

New York - Es gibt nicht viele, die den Mann mit dem Walross-Schnauzer vermissen werden am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Gefragt nach dem Abtritt John Boltons als Washingtons UN-Botschafter, wählte Generalsekretär Kofi Annan die schlechteste Note, die ein diplomatisches Zeugnis zulässt: Er war stets bemüht. Oder in Annans Worten: „Er hat seine Arbeit so gemacht, wie das von ihm erwartet worden war.“ Daran schloss er eine Ermahnung an, dass alle Botschafter zusammenarbeiten müssten, um etwas zu erreichen. Bolton hatte sich dagegen eher durch seine polterhaften Alleingänge einen Namen gemacht, gerade so wie der Ruf, der ihm aus seiner Zeit im US-Außenministerium vorauseilte.

Mit Bolton scheidet ein weiterer Neokonservativer und Irakkriegs- Befürworter aus der Bush-Regierung. Wenn das dem Präsidenten, der nach dem Wahlsieg der Demokraten im Kongress sein Kabinett auf einen moderateren Kurs trimmt, gerade gut passen sollte, so ließ er sich das nicht anmerken. Er habe Boltons Entscheidung, seinen Botschafter-Dienst aufzugeben, „mit tiefem Bedauern“ zur Kenntnis genommen, ließ Bush wissen. Und schloss heftige Kritik am Senat an, der sich geweigert hatte, die Nominierung des Botschafters erneut zur Abstimmung zu stellen.

Bereits im März 2005 hatte Bush seinen umstrittenen Kandidaten nur per Dekret durchgedrückt. Bis zur Konstituierung des neuen Kongresses im Januar hätte Bolton regulär bestätigt werden müssen. Doch die Demokraten zeigten dazu wenig Willen. Als sich im Außenpolitischen Komitee des Senats zudem der republikanische Senator Lincoln Chafee auf ihre Seite schlug, war klar, dass Bolton keine Chance haben würde. Für seine Nachfolge werden eine Reihe von Namen gehandelt. Unter ihnen sind der amerikanische Irak-Botschafter Zalmay Khalilzad und der scheidende Senator Chafee.

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