• Umstrittener Vorschlag: Italienischer Minister: Kastration von Sexualstraftätern erlauben

Umstrittener Vorschlag : Italienischer Minister: Kastration von Sexualstraftätern erlauben

Berlusconi sagte kürzlich, es sei nicht möglich, alle Vergewaltigungen zu verhindern. Jetzt fordert ein rechtskonservativer italienischer Minister die Kastration von Sexualstraftätern. Am vergangenen Wochenende gab es erneut Vergewaltigungsfälle in Italien.

Calderoli
Roberto Calderoli. Italiens Minister für Bürokratieabbau möchte Sexualstraftäter am liebsten chirurgisch kastrieren lassen. -Foto: AFP

RomDer Minister für Bürokratieabbau, Roberto Calderoli, fordert eine Zwangskastration von Sexualtätern. In einigen Fällen gebe es keine andere Möglichkeit, sagte er der Zeitung "La Stampa" vom Montag. Da eine Unterdrückung des Sexualtriebs mit Medikamenten nicht immer funktioniere, bleibe nur ein chirurgischer Eingriff. "Die Gesellschaft muss sich verteidigen", sagte Calderoli. Er gehört der rechtsgerichteten Lega Nord an.

Nach drei Vergewaltigungen binnen weniger Tage in Italien hat sich die Wut auf die mutmaßlich ausländischen Täter in einem fremdenfeindlichen Übergriff entladen. Laut Polizei wurden in der Nacht zum Montag vier rumänische Einwanderer verletzt, als eine aufgebrachte Menge ein Kebab-Restaurant in Rom stürmte.

Rund 20 vermummte Angreifer seien mit Schlagstöcken in den von einem Pakistaner betriebenen Imbiss im Osten der italienischen Hauptstadt eingedrungen, teilte die Polizei am Montag mit. Sie prügelten demnach auf vier Rumänen ein, von denen zwei anschließend im Krankenhaus behandelt werden mussten. Außerdem sei eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen. Die Angreifer konnten entkommen.

Vergewaltigungsserie

Am Wochenende zuvor hatten drei Vergewaltigungen in Italien erneut für Empörung gesorgt. In Rom war am Samstag ein 14-jähriges Mädchen bei einem Spaziergang mit ihrem Freund von zwei Männern vergewaltigt worden. Das Mädchen und ihr Freund sagten aus, die Täter seien osteuropäischer Herkunft gewesen.

In Bologna wurde ein Tunesier verhaftet, der eine 15-Jährige vergewaltigt haben soll. Die Mailänder Polizei fahndet im Zusammenhang mit der Vergewaltigung einer 21-jährigen Bolivianerin nach einem nordafrikanischen Einwanderer.

Berlusconis Regierung kündigte ein Gesetz zur besseren Überwachung von registrierten Sexualstraftätern an. Laut Presseberichten sollen Gemeinden unbewaffnete Bürgerwehren zum Schutz vor Vergewaltigern aufstellen dürfen. Die Opposition wies den Vorschlag umgehend zurück und warnte vor gewalttätigen Übergriffen. "Das Sicherheitsmonopol muss beim Staat bleiben", sagte Marco Minniti von der linksbürgerlichen Demokratische Partei (PD) der Zeitung "La Repubblica".

"Zu viele schöne italienische Mädchen"

Noch Ende Januar hatte Berlusconi die Öffentlichkeit mit Äußerungen zu Vergewaltigungen irritiert. Damals sagte der Ministerpräsident, es sei "selbst in einem Polizeistaat" unmöglich, derartige Verbrechen zu verhindern. "Man bräuchte derart viele Soldaten, weil es so viele schöne italienische Mädchen gibt, dass das niemals möglich wäre", sagte er.

In Europa steht insbesondere Tschechien wegen der Kastration von Sexualstraftätern in der Kritik. Vor zwei Wochen hatte der Europarat die Prager Regierung aufgefordert, dieser Praxis "unverzüglich ein Ende setzen". Die Kastration durch einen operativen Eingriff sei eine irreparable Verstümmelung und habe erhebliche Nebenwirkungen habe. Eine Delegation des Europarats hatte in psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen der Tschechischen Republik festgestellt, dass nicht nur agressive Sexualstraftäter kastriert wurden, sondern auch vergleichsweise harmlose Täter, wie etwa Exhibitionisten.

Unter Experten der Psychologie und Medizin gilt die Kastration als nicht zielführend, um Sexualstraftaten zu verhindern. Werden beispielsweise Vergewaltiger kastriert, sinkt nicht ihr Aggressionspotential. Dass sie auch weiterhin Menschen missbrauchen, ist damit keineswegs ausgeschlossen. (hyc/AFP)

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