• Umstrittenes Gefangenenlager der USA: Pentagon veröffentlicht erstmals Namen aller Häftlinge in Guantanamo

Umstrittenes Gefangenenlager der USA : Pentagon veröffentlicht erstmals Namen aller Häftlinge in Guantanamo

US-Medien haben erreicht, dass die US-Regierung erstmals die Namen aller Häftlinge von Guantanamo veröffentlicht. Damit wird auch bekannt, wie viele Gefangene dort ohne Prozess auf unbestimmte Zeit festgehalten werden können.

Menschenrechtsgruppen fordern schon länger, dass die Namen der Guantanamo-Häftlinge veröffentlicht werden. Hier bei einer Demonstration gegen das umstrittenen Gefangenenlager.
Menschenrechtsgruppen fordern schon länger, dass die Namen der Guantanamo-Häftlinge veröffentlicht werden. Hier bei einer...Foto: Reuters

Die US-Regierung hat erstmals die Namen aller Häftlinge des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo veröffentlicht. Auf Betreiben zweier Zeitungen führte das Verteidigungsministerium am Montag (Ortszeit) auch auf, welche Gefangenen ohne einen Prozess auf bestimmte Zeit festgehalten werden sollen. Das Außenministerium in Washington ernannte derweil mit Cliff Sloan nach monatelanger Vakanz des Postens einen neuen Beauftragten für die Schließung von Guantanamo.

46 Guantanamo-Gefangene werden als „unbefristete Häftlinge“ eingestuft, wie das Pentagon mitteilte. Es handele sich um Terror-Verdächtige, die zu gefährlich seien, um sie freizulassen.

Nach Einschätzung von US-Behördenvertretern können sie aber auch nicht vor Gericht gestellt werden, weil sie mit brutalen Verhörmethoden befragt worden waren. Dazu zählt das als Folter angesehene sogenannte Waterboarding, bei dem der Betroffene das Gefühl hat zu ertrinken. Derart gewonnene Erkenntnisse dürfen nicht vor Gericht verwendet werden.

Bei den unbefristeten Häftlingen handelt es sich um 26 Jemeniten, zehn Afghanen, drei Saudiaraber, zwei Kuwaiter, zwei Libyer, einen Kenianer, einen Marokkaner und einen Somalier. Zwei weitere Afghanen mit diesem Status starben, einer durch Selbstmord und der andere an einem Herzanfall. Die Einstufung der „unbefristeten Häftlinge“ hatte Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe vorgenommen, die eingesetzt worden war angesichts des Versprechens von US-Präsident Barack Obama, Guantanamo schnell zu schließen.

10 Jahre Guantanamo
Protest gegen die Rechtlosigkeit. Aktivisten demonstrieren in mehreren Städten (hier London) in Gefangenenkleidung für eine Schließung des Lagers Guantanamo Bay.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: dpa
11.01.2012 10:19Protest gegen die Rechtlosigkeit. Aktivisten demonstrieren in mehreren Städten (hier London) in Gefangenenkleidung für eine...

Auch die Namen aller verbliebenen 166 Guantanamo-Häftlinge gab das Pentagon nun heraus. Erreicht hatten dies die „New York Times“ und „The Miami Herald“ mit Anträgen, in denen sie sich auf die Informationsfreiheit beriefen. Gegen 34 Häftlinge könnte den Angaben zufolge ein Gerichtsverfahren angestrengt werden. Zu ihnen zählt der mutmaßliche Chefplaner der Terroranschläge vom 11. September 2001, Khalid Sheikh Mohammed. Er erschien am Montag mit vier weiteren mutmaßlichen Drahtziehern zu einer Anhörung vor einem Sondergericht des US-Militärs auf Guantanamo.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights First erklärte, die Enthüllungen seien „begrüßenswert, wenn auch längst überfällig“.

Das US-Außenministerium ernannte unterdessen den Juristen Sloan zum neuen Beauftragten für die Schließung von Guantanamo. Der Posten war mehrere Monate vakant gewesen. Die Neubesetzung zeige das Engagement der Regierung für die Schließung von Guantanamo, sagte Ministeriumssprecherin Jennifer Psaki.

Obama hatte Ende Mai versprochen, einen neuen Anlauf für eine Auflösung des Lagers zu unternehmen. Sein Vorgänger Georg W. Bush hatte das Gefängnis für Terrorverdächtige nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf einer US-Militärbasis auf Kuba eingerichtet.

Menschenrechtsgruppen prangern an, dass die Insassen in Guantanamo ohne rechtsstaatlichen Schutz festgehalten werden. Bislang scheiterten Obamas Versuche, das Lager zu schließen, am Widerstand aus dem Kongress. Vor vier Monaten begann in dem Gefangenenlager ein Hungerstreik, an dem sich mittlerweile 104 Häftlinge beteiligen.

Obama will unter anderem die Überstellung von jemenitischen Häftlingen in ihr Heimatland, die vor mehreren Jahren aus Sicherheitsgründen gestoppt worden war, wieder erlauben. Außerdem beauftragte er das Pentagon mit der Suche nach einem Standort in den USA, an den die Militärprozesse gegen mutmaßliche Terroristen verlegt werden könnten. (AFP)

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