Umsturz in Tunesien : Sarkozy findet nur dürre Worte

Mit auffälliger Zurückhaltung hat Frankreich auf den Sturz des tunesischen Präsidenten Ben Ali reagiert. Präsident Sarkozy ist offenbar erleichtert, dass der Ex-Diktator und sein Clan in Saudi-Arabien untergekommen sind.

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Paris - Während US-Präsident Barack Obama den „Mut und die Würde“ des tunesischen Volkes begrüßte, begnügte sich sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy mit einer vom Elysée-Palast veröffentlichten Erklärung, in der er von der Wende in Tunesien „Kenntnis nahm“. Weiter forderte er darin das Ende der Gewalt und versicherte schließlich dem tunesischen Volk, dass Frankreich an seiner Seite stehe. Mit ähnlich dürren Worten äußerte sich auch Francois Copé, der Chef der konservativen Regierungspartei UMP.

Am Freitagabend und noch einmal am Samstagmorgen hatte Sarkozy mit Premierminister Francois Fillon und anderen Regierungsmitgliedern wegen der Entwicklung in Tunesien beraten. Ob dabei auch die Frage eines eventuellen Exils Ben Alis in Frankreich erörtert wurde, ist unklar. Nach einer vom arabischen Sender Al Dschasira am Freitagabend verbreiteten Meldung war in Paris das Gerücht aufgekommen, das Flugzeug mit dem tunesischen Ex-Präsidenten an Bord befinde sich auf dem Weg zum Pariser Flughafen Le Bourget. Dieses Gerücht wurde jedoch sofort vom Außenministerium dementiert.

Zwei Töchter Ben Alis befanden sich gleichwohl am Wochenende in Frankreich. Sie waren am Donnerstag in Paris angekommen und verbrachten die Nacht zum Freitag in der tunesischen Botschaft, ehe sie dann in ein Hotel im Disney-Vergnügungspark umzogen. Die Flucht von Ben Alis Frau Leila Trabelsi, die am Freitag mit Angehörigen von Tunis nach Lyon fliegen wollte, war vom Piloten der Maschine der Tunis Air verhindert worden. Er hatte den Start verweigert, bis sie mit ihrem Gefolge von Bord gegangen war.

Ob es ein Asylgesuch Ben Alis gab oder nicht – Frankreich, das gestürzten Diktatoren schon öfter Aufnahme gewährt hat, scheint jedenfalls erleichtert darüber zu sein, dass der Ex-Diktator und sein Clan in Saudi-Arabien untergekommen sind. Wegen der großen Zahl von Tunesiern beziehungsweise von Franzosen tunesischer Herkunft in Frankreich hätte eine eventuelle Aufnahme Ben Alis Demonstrationen sowie auch Klagen vor Gericht gegen ihn befürchten lassen, wurde dazu erklärt. In einer Erklärung teilte der Elysée-Palast am Samstag mit, dass die notwendigen Vorkehrungen getroffen wurden, „um verdächtige Bewegungen von tunesischen Guthaben in Frankreich zu verhindern“. Namen von Konteninhabern wurden nicht genannt, doch es scheint klar, dass sich diese Maßnahme gegen Ben Ali und seinen Clan richtet. Hans-Hagen Bremer

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