Umwelt : 8. Artenschutzkonferenz gescheitert

Hiobsbotschaft für den Artenschutz und die Zukunft der Erde: Die 8. UN-Konferenz über Biologische Vielfalt geht am Freitag in Brasilien nach vorherrschender Teilnehmer-Meinung ergebnislos zu Ende.

Curitiba - Das Treffen sei auf ganzer Linie gescheitert, klagte die Umweltgruppe Greenpeace in Curitiba wenige Stunden vor dem geplanten Konferenzabschluss. Eine der angesehensten Anthropologinnen Brasiliens, Manuela Carneiro da Cunha (Universität Chicago), beklagte sogar Rückschritte. Es sei ein Unding, die Diskussionen über den Zugang zu Bioressourcen und über die gerechte Verteilung des Nutzens der Artenvielfalt auf die 9. Konferenz 2008 in Deutschland ergebnislos zu vertagen, sagte sie.

Ähnlich enttäuscht äußerten sich Sprecher von Entwicklungsländern, die den größten Teil der weltweiten Artenvielfalt besitzen. Die Delegierten aus knapp 200 Ländern hatten am Donnerstag noch versucht, in einer Marathonsitzung, die bis weit nach Mitternacht ging, das Steuer herumzureißen. Auf Grund der vielen noch anstehenden Themen wurde eine Verlängerung bis Samstag nicht ausgeschlossen. Verhandelt wurde unter anderem noch über ein Moratorium auf Schleppnetz- und Intensivfischerei sowie über eine Zusammenführung der UN-Konventionen zur Artenvielfalt und zum Klimaschutz.

Kein Geld für Umweltschutz

CBD-Exekutivsekretär Ahmed Djoghlaf hatte vor Konferenzbeginn gewarnt, die Welt befinde sich «am Rande der schlimmsten Aussterbe- Krise seit dem Verschwinden der Dinosaurier vor Millionen von Jahren». Brasiliens Umweltminister Marina Silva klagte in Curitiba ein ums andere Mal, es gebe viele Abkommen, die nur Papier seien. Hoffnung auf Fortschritte gab es ungeachtet der vielen Warnrufe vor Konferenzbeginn am letzten Tag in Curitiba jedoch nicht mehr.

Die 188 Mitgliedstaaten würden es nicht mehr schaffen, das Artensterben in Urwäldern und Meeren zu verringern. «Diese Konferenz ist wie ein großer Dampfer inmitten eines Unwetters - ohne Kapitän und ohne Treibstoff», sagte Martin Kaiser, Leiter der Greenpeace- Delegation. Es sei kein Geld in Sicht, mit dem Schutzgebiete in Urwäldern und auf hoher See finanziert werden könnten. Es gebe auch keine Maßnahmen gegen den illegalen Holzeinschlag und den Handel mit illegal gefälltem Holz. Und auch die Biopiraterie, der «Klau» genetischer Ressourcen, werde ungebremst weiter gehen. Obwohl bei der letzten Konferenz 2004 in Malaysia die Einrichtung eines globalen Netzwerks von Schutzgebieten vereinbart worden sei, hätten Industriestaaten dazu «nicht ansatzweise Geld auf den Tisch gelegt».

USA beteiligen sich nicht am Artenschutz

Greenpeace beschuldigte Australien, Neuseeland und Kanada, in Curitiba unter dem Druck der nicht zur CBD gehörenden USA durchgesetzt zu haben, dass es im Kampf gegen Biopiraterie keine Zeitlimits geben werde. «Damit wollen sich diese Länder Zeit erkaufen, in der ihre Pharma- und Gentechnikkonzerne sich im Rahmen der Welthandelsorganisation Patente auf Pflanzen und genetische Ressourcen sichern können», sagte Kaiser.

Die drei CBD-Hauptziele sind Artenschutz, nachhaltige wirtschaftliche Nutzung der Natur sowie gerechte und ausgewogene Verteilung der Gewinne aus der Artenvielfalt. Die «Convention on Biological Diversity» (Konvention über Biologische Vielfalt) wurde bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Sie gehört neben Klimarahmen- und Wüsten- Konvention zu den drei Übereinkünften des Weltgipfels von Rio. Zu den 188 Unterzeichnern gehört auch die EU. Bis 2010 soll das Artensterben «deutlich reduziert» werden. (tso/dpa)

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