Umwelt : Deutschland will Brasilien beim Urwaldschutz helfen

Länder wie Brasilien erzeugen im großen Stil Sprit aus Pflanzen. Ihnen wird deswegen vorgeworfen, den Regenwald zu gefährden. Bundesumweltminister Gabriel sieht das nicht so. Er will lieber Brasilien dabei unterstützen, das Verhältnis zwischen Anbau- und Naturflächen klar zu regeln.

Regenwald Brasilien
Dichter Atlantischer Regenwald auf der Ilha do Cardoso im Bundesstaat Sao Paulo. -Foto: dpa

BerlinDeutschland will Brasilien beim Schutz der Regenwälder am Amazonas sowie der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen unterstützen. Dazu werde es auch finanzielle Angebote der Bundesregierung geben, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mit Blick auf die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt Ende Mai in Bonn. Gabriel wandte sich gegen einen Importstopp für Biomasse, weil dies Bemühungen um eine Zusammenarbeit mit Brasilien und weiteren Schwellen- und Entwicklungsländern bei Umwelt und Klimaschutz zunichte machen würde. Der Umweltminister stellte sich zugleich hinter Forderungen der brasilianischen Regierung nach international verbindlichen Regeln gegen Biopiraterie.

Gabriel hatte in der vergangenen Woche Brasilien besucht. "Bioenergie ist nicht per se gut oder schlecht. Sie muss sich messen lassen an konkreten ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsstandards", sagte er nach seiner Rückkehr in Berlin. Auch müsse jeweils auf die genauen Standortbedingungen der Produktion geschaut werden. So finde der in Brasilien für die Biomasseproduktion vorherrschende Zuckerrohranbau fast ausschließlich auf Flächen statt, die bislang brach lagen oder für Kaffeeanbau genutzt wurden. Probleme für den Regenwald gebe es dabei auch nach Einschätzung brasilianischer Umweltverbände bislang noch nicht.

Damit dies auch so bleibe, solle Deutschland brasilianische Pläne für festgelegte Zonen für Anbau- und für Naturflächen unterstützen, verlangte Gabriel. Zugleich habe die brasilianische Regierung trotz erheblicher Vorbehalte auch überprüfbaren Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse im Grundsatz zugestimmt. Ein Abkommen darüber solle kommende Woche anlässlich der Lateinamerika-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterzeichnet werden.

Norwegen als Vorbild

"Brasilien tut sehr viel, um den Regenwald zu erhalten", sagte Gabriel weiter. So sei die Regierung dabei, 50 Millionen Hektar neue Schutzflächen einzurichten. Nach einem Angebot Norwegens, 500 Millionen Euro für Waldschutzprojekte zur Verfügung zu stellen, sei Brasilien auch zu weiteren Flächenzusagen bereit. "Wir wären dann bereit, ebenfalls zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen", kündigte der Minister konkrete Angebote auch Deutschlands an. Zum Volumen wollte er sich allerdings nicht äußern.

Durch Vereinbarungen gegen Biopiraterie sollen die Entwicklungsländer wirksam davor geschützt werden, dass Konzerne genetische Informationen und traditionelles Wissen aus diesen Ländern verwenden, um daraus Produkte zu entwickeln, ohne dafür eine angemessene Gewinnbeteiligung sicherzustellen. Viele Staaten sehen in einem gerechten Vorteilsausgleich einen Prüfstein für die Kooperationsbereitschaft der Industriestaaten und die Verlässlichkeit ihrer Zusagen beim Umwelt- und Klimaschutz. (mhz/AFP)

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