Umwelt : Klimaschutz schleicht voran

Die zweiwöchige Klimatagung in Bonn geht am Freitag ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Sollte dieses Tempo beibehalten werden, könnten das Folgeabkommen des Kyoto-Protokolls und damit der Klimaschutz auf der Kippe stehen.

BonnIn der ehemaligen deutschen Hauptstadt haben sich rund 2000 Delegierte aus 170 Ländern zu einer zweiwöchigen UN-Klimatagung versammelt, doch trotz der hohen Teilnehmerzahl gibt es nur wenig greifbare Fortschritte auf dem Verhandlungsweg zu einem neuen globalen Klimapakt. Der Chef des UN-Klimarats, Yvo de Boer, befand am Freitag die bisherigen Ergebnisse zwar als "ermutigend", allerdings müssten die Vorschläge nun deutlich "zielgerichteter" werden.

Sollte dies nicht gelingen, sieht de Boer nur geringe Chancen, das für Dezember 2009 in Kopenhagen geplante Klimaabkommen zu erreichen. "Wir haben jetzt eine Vorstellung davon, was die Regierungen bereit sind, in einen langfristigen Vertrag aufzunehmen." Die Herausforderung, in einem Jahr ein gemeinsames Abkommen zu erreichen, sei jedoch immer noch "gewaltig". Um das Ziel, die Klimaerwärmung nur auf zwei Grad zu begrenzen, erreichen zu können, müssten - Berechnungen des UN-Klimarats zufolge - die Emissionen bis 2050 mindestens halbiert werden. Dieses ließe sich nur erreichen, wenn die Industrienationen ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 25 bis 40 Prozent senken können.

Industrienationen sind gefordert

Bei dem zweiwöchigen Treffen in Bonn habe man immerhin den Schritt von bloßen Diskussionen zu beratenden Gesprächen vollzogen, meinte Luiz Figueiredo Machado, einer der Teilnehmer. Harald Dovland von der Arbeitsgruppe Verpflichtungen der Industrieländer kritisierte jedoch das Vorgehen. "Das Tempo war langsam und kompliziert. Wir benötigen einen neuen Geist der Kooperation, denn wenn wir in dieser Arbeitsweise weitermachen, werden wir die erforderlichen Ziele wohl nicht erreichen." Internationale Umweltorganisationen kritisieren neben dem langsamen Tempo auch das geringe finanzielle Engagement der Industrieländer bei den Verhandlungen. Vor allem der Vorstoß einiger Länder, das im Kyoto-Protokoll festgeschriebene Basisjahr 1990 zu ändern, wurde als Rückschritt interpretiert.

De Boer sieht ebenfalls die Industrieländer in der Pflicht, sich stärker zu engagieren. Während sich die Entwicklungs- und Schwellenländer konstruktiv gezeigt und Länder wie China und Mexiko sogar eigene Vorschläge zu Finanzierungs- und Technologiefragen präsentiert hätten, müsse nun von Seiten der Industrienationen mehr Zusagen zur finanziellen Hilfe kommen. Das Kyoto-Folgeabkommen, das nach 2012 in Kraft treten und erstmals auch Schwellen- und Entwicklungsländer mit einbeziehen soll, könnte sonst auf der Kippe stehen.

Die Gespräche in Bonn, die nur einer von mehreren auf Bali vereinbarten Zwischenschritten zur entscheidenden Klimakonferenz in Kopenhagen sind, beschäftigten sich vor allem mit den Fragen der Finanzierung und Technologie und der möglichen Anpassung der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten an die Folgen. Die Zeit, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen wird jedoch knapp. Auch auf dem nächsten G8-Gipfel in Japan will unter anderem die Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine Fortführung der Ergebnisse von Heiligendamm sorgen. (jg/dpa)

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