Umweltbewusstsein : Deutsche wollen weniger Auto fahren

Autoland Deutschland? Die Mehrheit der Deutschen findet: Das Leben wäre besser, wenn man das Auto nicht mehr bräuchte.

Ein Radweg ist an dieser Stelle in Berlin zwar vorhanden, er wird jedoch von einem Autofahrer als Parkplatz genutzt.
Ein Radweg ist an dieser Stelle in Berlin zwar vorhanden, er wird jedoch von einem Autofahrer als Parkplatz genutzt.Foto: Alexander Heinl/dpa

Die Mehrheit der Deutschen würde gerne weniger auf das Auto als Verkehrsmittel angewiesen sein. Das geht aus der Umweltbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes hervor. Für 91 Prozent der Befragten wäre das Leben besser, wenn kein Auto mehr benötigt würde. 79 Prozent wünschten sich zudem eine Stadtentwicklung, die mehr auf Autoalternativen setze.

Dennoch ist das Auto noch das wichtigste Verkehrsmittel in Deutschland. Zwei Drittel der Studienteilnehmer nutzten es mehrmals in der Woche. Allerdings könne sich die Mehrheit der Autofahrer vorstellen, unter bestimmten Bedingungen mehr zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren.

Besonders offen für Bus und Bahn sind Autofahrer in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern: 61 Prozent können sich vorstellen, öfter mit den Öffentlichen zu fahren. In Städten ab 20.000 Einwohnern war es knapp jeder Zweite, in noch kleineren nur 46 Prozent. Mehr Fahrrad zu fahren kam dagegen vor allem für die Bewohner mittelgroßer Städte in Frage, in Großstädten scheuen Viele offenbar die Gefahren des Fahrradfahrens, nur für 60 Prozent kommt als Fortbewegungsmittel das Fahrrad infrage.

„Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Hierfür brauche es einen leistungsfähigen und günstigeren öffentlichen Nahverkehr sowie gute und sichere Radwege.

Grundsätzlich sei die Idee der Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen, heißt es in der Studie weiter. Umweltschutz werde dabei nicht als isoliertes Politikfeld wahrgenommen, sondern als Teil der Lösung für große ökonomische und soziale Herausforderungen.

Umweltschutz und Wohlstand

Knapp zwei Drittel sieht Umweltschutz als notwendige Voraussetzung, damit Zukunftsaufgaben wie die Globalisierung gestaltet werden können. Große Teile der Bevölkerung würden Umweltschutz zudem als Bedingung für Wohlstand (58 Prozent), Wettbewerbsfähigkeit (51 Prozent) und neue Arbeitsplätze (48 Prozent) sehen. Weniger werde dagegen ein Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit gesehen (37 Prozent).

Dabei zeige die Studie, dass gerade in sozial benachteiligten Quartieren die Umweltbelastungen besonders hoch sind. So fühlten sich 40 Prozent der Befragten mit kleinem Einkommen durch Lärm besonders belastet, aber nur 27 Prozent der Befragten mit hohen Einkommen. Auch von Luftverschmutzung fühlten sich Befragte mit niedrigem Einkommen (45 Prozent) deutlich stärker belastet als Menschen mit hohem Einkommen (28 Prozent).

Die Umweltbewusstseinsstudie, für die im vergangenen Jahr 4.000 Bürger repräsentativ befragt wurden, legt das Umweltministerium seit 1996 alle zwei Jahre vor. (dpa, epd, tsp)

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