• Umweltbundesamt: Klimaschutz nutzt deutschen Firmen Emissionshandelsstelle sieht Industrie ihrem Zielwert sehr nahe

Politik : Umweltbundesamt: Klimaschutz nutzt deutschen Firmen Emissionshandelsstelle sieht Industrie ihrem Zielwert sehr nahe

Dagmar Dehmer

. Die deutsche Industrie wird im Jahr 2007 mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger als 503 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) ausstoßen. Das erwartet zumindest der Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle, Hans-Jürgen Nantke. Am Montag sagte er in Berlin, dass bereits die freiwillige Datenerhebung über den CO2-Ausstoß der rund 2400 am Emissionshandel beteiligten Anlagen aus den Jahren 2000 bis 2002 einen deutlich niedrigeren Wert ergeben habe.

Zusammengezählt kam das Umweltbundesamt (UBA), das die Daten abgefragt hatte, auf 501 Millionen Tonnen CO2. Das wäre schon weniger gewesen als die von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) im Klimastreit verlangten 505 Millionen Tonnen, die dem derzeitigen Ausstoß entsprechen sollen. Denn Clement und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) haben sich mit ihrem Schätzwert an die Energiebilanzen für die am Emissionshandel beteiligten Sektoren gehalten. Und das waren für die Jahre 2000 bis 2002 eben 505 Millionen Tonnen CO2. Aber selbst wenn weniger Zertifikate ausgegeben werden, muss die Industrie ihren CO2-Ausstoß verringern. Denn aus der Differenz zwischen 505 und 503 Millionen Tonnen errechnet sich der so genannte Erfüllungsfaktor. Und der gilt, egal wie viel CO2 die Industrie tatsächlich in den Jahren 2000 bis 2002 ausgestoßen hat.

Wenn die Industrie aber unter ihrem Richtwert für 2007 liegt, stellt sich die Frage, warum sie so erbitterten Widerstand gegen eine weitere Senkung ihres CO2-Ausstoßes geleistet hat. UBA-Chef Andreas Troge vermutet, weil sie mehr Emissionszertifikate zugewiesen bekommen wollte, um diese an südeuropäische Anlagen zu verkaufen, die Probleme haben, ihre Klimaauflagen zu erfüllen. Troge ist überzeugt davon, dass die deutschen Handelsteilnehmer mit dem europäischen Emissionshandel Geld verdienen werden.

Von Juli an können die Unternehmen ihre Anträge auf Zuteilung von Emissionszertifikaten an Nantkes Behörde stellen. Troge verglich die Aufgaben der Handelsstelle mit denen eines Grundbuchamtes. Die 75 bis 115 Mitarbeiter werden die Emissionskonten der Firmen elektronisch führen und jedes Jahr prüfen, wie viel CO2 tatsächlich ausgestoßen wurde. Überzieht eine Anlage ihr CO2-Kontingent, muss sie für jede Tonne mehr 40 Euro Strafe zahlen.

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