Politik : Umweltministerium dokumentiert Suche nach Endlager im Internet

Ulrike Fokken

Zumindest mental verabschiedet sich Umweltminister Jürgen Trittin weiter von Gorleben als Standort für ein Endlager. Auf der Seite www.akend.de können Interessierte seit Freitag im Internet die Suche nach einem geeigneten Endlager-Standort für atomare Abfälle mitverfolgen. Das Umweltministerium informiert auf der Seite über die Ergebnisse aus dem Arbeitskreis "Auswahlverfahren Endlagerstandorte", der vor einem Jahr eingesetzt wurde. Die 15 Wissenschaftler sollen ein geologisches Suchverfahren entwickeln, mit dem zum Beispiel die Bundesanstalt für Geowissenschaften einen Standort für ein Endlager finden könnte. Der Arbeitskreis selbst ist nicht mit der Standortsuche beschäftigt.

Trittin rechnet weiterhin mit einem Energiekonsens, der auch die Frage der Atomtransporte und eines Endlagers für alle Arten von Abfällen klärt, bekräftigte am Freitag sein Sprecher. Im Salzstock Gorleben werde weiterhin erkundet - wenn auch seit Amtsantritt von Trittin deutlich weniger. Gorleben ist nicht nur emotional hoch besetzt, sondern auch geologisch kritisch. Da Salz wasserlöslich ist, könnten im Salzstock eingeschlossene radioaktive Abfälle ausgespült werden und in die oberirdische Umwelt gelangen. Außerdem wissen die Forscher noch nicht, wie sich die dichten Einschlüsse im Salz auf die Entwicklung von Gasen auswirken. Die Planung eines Endlagers in Gorleben ist auf Atommüllmengen ausgerichtet, die nach einem Atomausstieg nicht mehr anfallen. Auch das ist ein Argument für das Beenden der Erkundungen: Wer wider besseren Wissens Steuergelder verpulvert und damit die Atomindustrie hinhält, kann sich entschädigungspflichtig machen.

Doch Salz hat auch Vorteile für die Endlagerung. Das Mineral zieht sich zusammen, so dass Hohlräume samt dem darin liegenden Abfall mit der Zeit dicht verschlossen sind. "Es gibt nicht ein Gestein für ein Endlager", sagt Jürgen Kreusch, Geologe am Institut für ökologische Forschung und selbst Mitglied des Arbeitskreises. Jedes Gestein habe Vor- und Nachteile, Salz ebenso wie Granit.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben