Umweltpolitik : Die Energiewende geht uns alle an

Wie die Wissenschaft Politik und Gesellschaft praktisch unterstützt. Dabei geht es um Handlungsoptionen, um eine nachhaltige Energieversorgung zu erreichen.

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Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Foto: dpa
Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung.Foto: dpa

Die Energiewende – viele haben das Gefühl, sie sei mit der grundsätzlichen Entscheidung bereits vollzogen. Weit gefehlt: Mindestens 80 Prozent weniger CO2-Ausstoß gegenüber 1990, Ausbau der erneuerbaren Energien auf 60 Prozent am Gesamtbedarf, Halbierung des Energieverbrauchs gegenüber 2008 – wer das bis 2050 erreichen will, der muss auch erreichen, dass alle gesellschaftlichen Gruppen einen Beitrag leisten. Auch der einzelne Bürger. Sonst, sagten Experten dieser Tage auf einem Diskussionsforum warnend, kommt der Netzausbau nicht voran, werden nicht ausreichend Gebäude gedämmt.

Mitsprache fördert Akzeptanz. Wer kann was wie einbringen – das muss immer wieder neu justiert werden, um energiepolitische Planungs- und Entscheidungsprozesse transparent und durchsetzbar zu machen. Alle Akteure haben schließlich eine Stimme, Unternehmen und Verbände wie der BDI, die NGOs und Gewerkschaften, der Bund, die Länder, die Kommunen. Und die Wissenschaft, die besonders: Sie kann und sie muss helfen, Verhaltensänderungen zu erreichen.

Ansatz aus der Verhaltensökonomik

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften – und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften unterstützen deshalb Politik und Gesellschaft, unabhängig, wissensbasiert und praktisch. Nehmen wir einen Ansatz aus der Verhaltensökonomik: das „Nudging“, das sanfte „Anstupsen“ der Bürger. Sehen die auf ihrer Stromrechnung beispielsweise, wie viel Energie Haushalte in ihrer Nachbarschaft nutzen, kann dies dazu führen, dass sie selbst motivierter sind, Energie einzusparen. Ein Viertel der Endenergie wird ja von Privathaushalten verbraucht. Weniger zu verbrauchen, wird etwa möglich, wenn sie ihren Stromverbrauch durch intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, von außen fernsteuern lassen. In diesem Sommer wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Einbau dieser Stromzähler ab 2017 für Haushalte mit einem bestimmten Energieverbrauch vorschreibt.

Für die gemeinsame Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ hat acatech die Federführung übernommen. Im sogenannten Akademienprojekt erarbeiten rund 100 Energiefachleute aus Wissenschaft und Forschung Handlungsoptionen, um eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung zu ermöglichen. Mehr dazu auf www.acatech.de, www.leopoldina.org und www.akademienunion.de

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