Umweltpolitik : Merkel startet ''Klima-Reise'' in Grönland

Kanzlerin Merkel ist zu einem Besuch nach Grönland aufgebrochen. Sie will sich dort ein Bild über die Folgen des Klimawandels machen. "Reisen bildet", stichelt die Opposition.

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In Grönland herrscht bereits das ''große Tauen''. -Foto: dpa

BerlinBegleitet von Warnungen der Opposition vor einer Symbolpolitik hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre "Klima-Reise" nach Grönland begonnen. Merkel will sich auf der größten Insel der Welt, die von Eismassen bedeckt ist, über die Folgen des Klimawandels informieren. Grönland gehört zu den Regionen, die am stärksten von der Erderwärmung betroffen sind. Auf der zu Dänemark gehörenden Insel hat sich die Durchschnittstemperatur in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 1,5 Grad erhöht.

Auf ihrer Reise wird Merkel von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begleitet. Die Kanzlerin hat die Reise in einem Zusammenhang mit ihrer Präsidentschaft im Kreis der führenden Industrienationen und Russlands (G8) gestellt, wo der Klimawandel eines der Schwerpunktthemen ist.

Opposition fordert Handeln statt Symbolik

Die Opposition warnte Merkel davor, in der Umweltpolitik allein auf Symbole zu setzen. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte: "Die Reisegruppe Merkel/Gabriel wird im schmelzenden Grönlandeis nicht das finden, das sie am dringendsten bräuchte: die politische Entschlossenheit zum konsequenten Handeln gegen den Klimawandel. Die Reise ist eine Flucht in die Inszenierung." Nötig wäre stattdessen "solides politisches Handwerk, um die Hindernisse für eine Klimapolitik ohne Wenn und Aber an dem Ort zu überwinden, wo das nur geht: zu Hause".

"Natürlich ist es immer richtig, wenn die Kanzlerin ins Ausland reist, aber es ist ein historischer Fehler, die Umweltpolitik auf Symbolik zu beschränken", meint auch FDP-Chef Guido Westerwelle. Die Regierung sollte sich lieber fragen, "wieso auf dem G-8-Gipfel alle anderen Regierungen auf den Ausbau der Kernenergie setzen und nur Deutschland einen schwarz-rot-grünen Sonderweg beschreiten soll".

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, sagte: "Wenn Frau Merkel meint, sie muss nach Grönland fahren, um sich vor Ort über die Auswirkungen des Klimawandels zu informieren, soll sie das tun. Reisen bildet." Die Kanzlerin habe sich sehr hohe Ziele im Kampf gegen den Klimawandel gesteckt. "Wir hoffen, dass sie sie erreichen kann."

Folgen der Erderwärmung in Grönland besonders drastisch

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte zuvor darauf verwiesen, dass in Grönland die Folgen der Erderwärmung besonders drastisch seien, weil der Eispanzer und die Gletscher immer stärker abschmelzen. Merkels Besuch werde nochmals veranschaulichen, "welche Herausforderungen auf der Menschheit ruhen".

Der Grund für das "große Tauen" auf Grönland ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Erderwärmung. Danach ist die Temperatur dort in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 1,5 Grad im Durchschnitt angestiegen. Die globale Temperatur hat sich im vergleichbaren Zeitraum um 0,74 Grad erhöht.

Bootsfahrt durch den Eisfjord

Nach der Landung in Ilulissat an der Westküste Grönlands will sich Merkel am Abend deutscher Zeit auf einer Bootsfahrt durch den Eisfjord ein Bild über die Folgen der Erwärmung verschaffen. Die Kanzlerin dürfte in dem Fjord zahlreiche Eisberge beobachten können, die vom Gletscher abgebrochen sind und ins Meer treiben. Merkel folgt einer Einladung des dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen, der sie gemeinsam mit dem Chef der grönländischen Selbstverwaltung, Hans Enoksen, auch begrüßen wollte. (mit dpa)

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