Politik : Umweltrat warnt vor grüner Gentechnik „Öko-Landbau braucht Schutz“

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(deh). Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat Zweifel daran, dass die so genannte grüne Gentechnik und eine gentechnikfreie Landwirtschaft problemlos nebeneinander existieren können. „Die grüne Gentechnik muss ihre Koexistenzfähigkeit in der Praxis erst noch unter Beweis stellen“, sagte Ratsmitglied Professor Konrad Ott am Donnerstagabend. In einer Stellungnahme zum von Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) vorgelegten Gentechnikgesetz verlangen die Umweltweisen, die ÖkoLandwirtschaft und die gentechnikfreie konventionelle Landwirtschaft besser zu schützen.

Ott lobte die von Künast vorgeschlagene verschuldungsunabhängige Haftung. Denn wer gentechnisch veränderte Nutzpflanzen anbaue, „eröffnet eine neue Gefahrenquelle“. Wenn ein Nachbar deshalb einen Schaden erleide, also seine Ware nicht mehr als gentechnikfrei oder als ökologisch erzeugt vermarkten könne, müsse er Schadenersatzforderungen geltend machen können. Die Umweltweisen halten den umstrittenen Vorschlag, der sowohl vom Deutschen Bauernverband als auch von den unionsregierten Bundesländern abgelehnt wird, für einen „fairen Interessenausgleich“.

Dagegen kritisierte Ott die Europäische Union, die zwar festgelegt habe, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nur dann eine Anbaugenehmigung bekommen sollen, „wenn Schäden an der Gesundheit und der Umwelt vermieden werden“. Allerdings habe die EU darauf verzichtet, zu definieren, was ein solcher Schaden sei. Ohne eine solche Definition könne aber nicht entschieden werden, wann eine Zulassung auch wieder entzogen werden kann oder wann ein Freisetzungsversuch abgebrochen werden muss.

Aus Sicht der Umweltweisen ist die Zulassung der grünen Gentechnik in der EU „ein Abenteuer“. Angesichts der starken Ablehnung dieser Technologie in der Bevölkerung sei eine „anspruchsvolle Regulierungspraxis notwendig“, sagte Ott. Anderenfalls drohe ein „Krieg auf den Dörfern“ voraus.

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