Umweltschutz : ''Afrika muss mehr tun“

Ruandas Präsident Kagame fordert mehr Eigenverantwortung beim Umweltschutz und macht sich in Großbritannien viele Freunde.

Markus Hesselmann[London]

Die Bundeskanzlerin tourt durch Afrika, einer der profiliertesten afrikanischen Politiker ist zur selben Zeit in Europa unterwegs. Der frühere Rebellenführer und jetzige ruandische Präsident Paul Kagame traf in den vergangenen Tagen Premierminister Gordon Brown und Oppositionsführer David Cameron. Der Kampf gegen Kriege und Not in Afrika ist ein Thema, mit dem sowohl der Labour-Politiker Brown als auch der Konservative Cameron punkten wollen. Cameron hatte allerdings unlängst bei einem Besuch in Ruanda das Pech, dass zur selben Zeit zu Hause die Flüsse über die Ufer traten, unter anderem auch in seinem Wahlkreis. In Zeiten der Krise abwesend, war dem Abgeordneten Cameron die Häme der Medien sicher. Das hinderte ihn nicht, Kagame jetzt zum Parteitag nach Blackpool einzuladen. Brown empfing den Ruander in der Downing Street. Und schließlich hielt Kagame noch einen Vortrag an der renommierten London School of Economics und stellte sich dort auch der Diskussion.

Um den Umweltschutz sollte es an dem Abend gehen, ein in Afrika bislang oft noch vernachlässigtes Thema. Im Gegensatz zu anderen Politikern in Entwicklungsländern, die zuerst von den Industrieländern Vorleistungen fordern, benannte Kagame den Umweltschutz als ureigene Aufgabe der Afrikaner. „Afrika muss mehr tun und schneller handeln“, sagte Kagame und nannte Wiederaufforstungsprojekte und neue Landschaftsschutzgesetze als erste Ergebnisse der Bemühungen seines Landes. Die Besinnung auf die eigene Verantwortung bedeute aber nicht, dass Ruanda nicht die Zusammenarbeit mit den Industrieländern suche. „Wir müssen das Wissen teilen“, sagte Kagame. Entwicklungshilfe sei aber nur sinnvoll, wenn sie die unternehmerische Initiative und den Wettbewerb im Land selbst stütze. Afrika müsse Wertschöpfung schaffen, um der Armutsfalle zu entgehen, und dürfe nicht mehr fast ausschließlich Rohstoffe exportieren und auf diesem Wege seine natürlichen Ressourcen ausbeuten. Dazu müsse die zivile Gesellschaft gestärkt werden, sagte der Mann, der einen Großteil seines fast 50-jährigen Lebens als Soldat verbracht hat.

Die Diskussion wurde schon bald überlagert von anderen Themen, vor allem dem Konflikt im Kongo. Kagame wies Vorwürfe zurück, nach denen Ruanda dort für anhaltende Gewalt und Elend mitverantwortlich sei. Der Kongo sei wegen des Missmanagements der eigenen Eliten heruntergekommen. „Das ist weder die Schuld Ruandas noch die Kagames“, sagte der Präsident. Sein Land habe im Osten des Kongo eingreifen müssen, weil dort „die Täter des Genozids“ weiterhin aktiv gewesen seien. Kagame gehört der Volksgruppe der Tutsi an. Dem von ruandischen Hutu verübten Völkermord von 1994 fiel rund eine Million Menschen zum Opfer, die allermeisten von ihnen Tutsi.

Doch nicht alle teilen Kagames Weltsicht. Die Repräsentanten Großbritanniens, der einen großen früheren Kolonialmacht Afrikas, reichen ihn herum. In einer anderen, Frankreich, droht dem Präsidenten Ruandas derweil ein gerichtliches Verfahren. Französische Juristen halten ihn für mitverantwortlich am Tod des früheren ruandischen Staatschefs Juvenal Habyarimana. Habyarimana war 1994 ums Leben gekommen, als sein Flugzeug im Anflug auf die Hauptstadt Kigali abgeschossen wurde. Der Tod des Staatschefs gilt als Auslöser für den Völkermord.

Wegen der Anschuldigungen brach Ruanda die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab. Gleichzeitig bemüht sich das frankofone Ruanda um eine engere Bindung an Großbritannien. Das Land, das einst erst von den Deutschen und dann den Belgiern kolonisiert wurde, bewirbt sich um die Aufnahme in den britisch geführten Commonwealth.

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