Umweltschutz : "Gentechnikfreie Landwirtschaft in höchster Gefahr"

Naturschützer schlagen Alarm: Sie fürchten eine schleichende Verunreinigung von Äckern und Lebensmitteln, wenn Agrarminister Seehofer seine Gentechnikpläne durchsetzt.

Genmais
Genmais: Umweltschützer sehen "unkalkulierbaren Risiken". -Foto: ddp

BerlinDer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet wegen der Gentechnikpläne von Agrarminister Horst Seehofer (CSU) eine schleichende Verunreinigung von Äckern und Lebensmitteln. "Die gentechnikfreie Landwirtschaft sehen wir in höchster Gefahr", sagte BUND-Agrarexperte Hubert Weiger. Der geplante Mindestabstand zu Genmais von bis zu 300 Meter müsse auf 1000 Meter erhöht werden. Der Verband sprach von "unkalkulierbaren Risiken" und rief die Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD dazu auf, gegen die Gesetzespläne zu stimmen.

Der BUND hält den Gesetzentwurf für eine "massive Verschlechterung" gegenüber dem geltenden Recht von Seehofers Vorgängerin Renate Künast (Grüne). Seehofer will die Forschung fördern, aber für den Anbau von Genmais schärfere Regeln als bisher geplant einführen. Zwischen Genmais und herkömmlichen Pflanzen sollen 150 Meter Sicherheitsabstand gelten, bei Öko-Mais die doppelte Entfernung. Die bisherigen Haftungsregeln bei einer Vermischung mit Genpollen sollen zwar beibehalten werden, aber benachbarte Landwirte können etwa die Abstandsregeln nach einer Absprache umgehen.

Studie: Genmais verunreinigt Boden

Wenn ohne Gentechnik arbeitende Landwirte nicht innerhalb eines Monats auf private Absprachen reagierten, falle der Schutz weg, kritisierte BUND-Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer. Der Verband lehnt die Ausnahmen deshalb ab. Eine Studie in Nordrhein-Westfalen ergab dem BUND zufolge, dass Genmais den Boden verunreinigt - auch wenn er schon nicht mehr angebaut wird. Der Verband fordert zudem, dass eine Entschädigung schon bei 0,1 Prozent Anteil genveränderter Organismen wie in der Steiermark und nicht erst ab 0,9 Prozent möglich ist.

Der CSU-Agrarexperte Maximilian Lehmer hält die Pläne für sinnvoll. "Der Nachweis ist hinlänglich geführt, dass keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt davon ausgehen", sagte er. Die Forschung dürfe nicht behindert werden. Lehmer kritisierte aber, dass Gentechnik in Lebensmitteln nicht gekennzeichnet werde, sondern der Hinweis auf gentechnikfreie Produkte gelockert werden solle. Tierische Produkte wie Fleisch und Milch sollen künftig als gentechnikfrei gelten, wenn die Tiere nicht mit genverändertem Futtermittel gefüttert wurden. Dies hatten Verbraucherverbände begrüßt. Bundesweit werden derzeit 2700 Hektar genveränderter Mais angebaut, vor allem in Ostdeutschland. Dieser Mais soll die Pflanzen vor dem Schädling Maiszünsler schützen. (mit dpa)

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