• Umweltverbände brechen Atom-Gespräche ab Empörung über Genehmigung des Endlagers Schacht Konrad

Politik : Umweltverbände brechen Atom-Gespräche ab Empörung über Genehmigung des Endlagers Schacht Konrad

NAME

Berlin (dpa/deh). Mehrere Umweltverbände haben die Zusammenarbeit mit dem von Bundesumweltministerium eingesetzten Arbeitskreis zur Suche von Endlagern für Atommüll aufgekündigt. BUND, NABU und Robin Wood reagierten damit am Montag auf die Genehmigung des niedersächsischen Atommüllendlagers Schacht Konrad in Salzgitter. Im „Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte“ sollten Wissenschaftler einheitliche Verfahren für die Lagerung radioaktiver Abfälle vereinbaren.

„Die Genehmigung von Schacht Konrad stellt den Arbeitskreis Endlager grundsätzlich in Frage“, sagte die Atomexpertin im Vorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Renate Backhaus. Die Genehmigung mache den Arbeitskreis überflüssig. Robin-Wood-Energiereferentin Bettina Dannheim warf Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) „doppeltes Spiel“ vor. Trotz seiner Feststellung, der Schacht Konrad sei nicht nötig, habe die Bundesregierung den Energieversorgungsunternehmen eine zügige Genehmigung zugesagt. Die niedersächsische Landesregierung hatte den Bau des Atomendlagers Schacht Konrad nach rund 20 Jahre dauerndem Verfahren Ende April genehmigt. In dem ehemaligen Eisenerzbergwerk können demnach 303 000 Kubikmeter schwach und mittelradioaktiven Abfalls gelagert werden.

Dafür hat Peter Dikkel, Sprecher der Bürgerinitiative gegen Schacht Konrad, keinerlei Verständnis. Er findet es „unsinnig", einen Standort zu genehmigen und gleichzeitig ein Verfahren in Gang zu setzen, um ein Endlager für den gesamten Atommüll zu finden. „Je weiter man das treibt, desto schwieriger ist es auszusteigen", sagt Dikkel. Außerdem befürchtet er, dass das Ein-Endlagerkonzept am Ende so aussehen könnte: Es gibt Schacht Konrad für wenig strahlenden Atommüll, und die stark strahlenden Abfälle werden nach Russland exportiert.

Auch Rebekka Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag, ist unzufrieden. „Sachlich ist eine Genehmigung nicht vertretbar", sagt sie. Auch wenn die Genehmigung nicht überraschend gekommen sei, „ist das kein guter Schritt". Schließlich stehen Wahlen bevor. Und für die Grünen ist die Genehmigung eines Atomendlagers kurz vor dem 22. September keine willkommene Werbung. Den Verdacht, die Genehmigung durch den niedersächsischen SPD-Umweltminister könnte von politischem Kalkül bestimmt sein, weist seine Sprecherin zurück. Die Behörden seien schließlich gesetzlich verpflichtet, „zügig zu arbeiten", selbst wenn ein Verfahren 20 Jahre dauert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben